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Coburg

"Fatales Signal für den Standort"

Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit gegen einen vierstreifigen Ausbau der B 4 im Weichengereuth gestimmt. Dazu melden sich IHK-Präsident Friedrich Herdan und die Brose-Geschäftsführung zu Wort.
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Bislang verhinderten die Bahngleise die Verbreiterung der B 4 im Weichengereuth. Nun würde die Bahn Gelände abgeben - aber die Mehrheit im Stadtrat will keinen vierstreifigen Ausbau der Straße. Foto: Simone Bastian
Bislang verhinderten die Bahngleise die Verbreiterung der B 4 im Weichengereuth. Nun würde die Bahn Gelände abgeben - aber die Mehrheit im Stadtrat will keinen vierstreifigen Ausbau der Straße. Foto: Simone Bastian

Die Enttäuschung spricht aus jeder Zeile: Seit Jahren habe sich die IHK zu Coburg für einen vierspurigen Ausbau der B 4 zwischen Frankenbrücke und Südzufahrt eingesetzt. Bedarf und Dringlichkeit des Ausbaus seien auch dadurch dokumentiert, dass das Projekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde. Doch der Stadtrat lehnte am Donnerstag den Ausbau, wie er in einer Voruntersuchung des Staatlichen Bauamts dargestellt ist, ab. Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, kommentierte das am Freitag mit den folgenden Worten: "Mit dieser Entscheidung verpasst die Stadt Coburg eine historische Gelegenheit, einen wesentlichen Standortnachteil in der verkehrlichen Anbindung zu beseitigen. Auch die Chance auf Staureduzierung in Stoßzeiten und auf Beseitigung eines Unfallschwerpunktes wird damit vertan."

Das Argument, dass die durchgängig ausgebaute B 4 zusätzlichen Verkehr anziehen würde, lässt Herdan nicht gelten. Zwar sei die Strecke über B 289 und B 4 geringfügig kürzer als über die A 73, aber mit höherem Zeitaufwand verbunden. Durch die zwei im Weichengereuth geplanten Ampeln würde die Fahrt noch länger dauern. Die vom Bauamt Bamberg errechnete Erhöhung des Verkehrsaufkommens in diesem Abschnitt sei auf eine Verlagerung der Fahrzeuge aus der Innenstadt zurückzuführen, die damit entlastet werden würde.

IHK-Präsident Herdan sieht auch keinen Konflikt zu einem möglichen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke im Coburger Süden, der für die Stärkung des ICE-Angebotes dringend geboten sei. Die Trassenführung für beide Gleise könne in Richtung Güterbahnhof verschwenkt werden - eine Einschätzung, die von der Deutschen Bahn bestätigt werde. "Nicht zuletzt ist es für unsere Logistikunternehmen und gewerblichen Betriebe mit entsprechendem Lastverkehr ein Anliegen, die Verkehrsführung zu verbessern", erklärte Herdan. Der Wirtschaftsraum, dessen Industrie vor allem auf Maschinenbau und Automotive beruhe, stehe vor großen Veränderungen durch Struktur-, Mobilitäts- und Klimawandel und benötige bestmögliche Standortbedingungen. "Die Entscheidung des Coburger Stadtrats ist für die Attraktivität unseres Wirtschaftsraums ein fatales Signal und muss dringend revidiert werden", verlangt Friedrich Herdan abschließend.

Ähnlich äußerten sich am Freitag Ulrich Schrickel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose-Gruppe, und Thomas Spangler, Geschäftsführer Produktion der Brose-Gruppe. Die enge B 4 im Weichengereuth stelle einen klaren Unfallschwerpunkt dar. Die Einfahrten vom Ahorner Berg und der Wassergasse würden vor allen Dingen für ältere Autofahrer eine gefährliche Stresssituation bedeuten. In der Vergangenheit habe der Stadtrat erkannt, "dass die sinnlose Einengung beseitigt werden muss", heißt es in der Mitteilung. "Nun, da endlich die baulichen Voraussetzungen genauso wie die Finanzierung durch das Staatliche Bauamt erfüllt worden sind, lehnen der Stadtrat und der Oberbürgermeister die Maßnahme ab." Für die Wirtschaft bedeute diese "rein emotionale Entscheidung" einen "gravierenden Rückschlag für den Standort Coburg".

Im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums wolle Brose den südlichen Stadteingang weiter architektonisch aufwerten und vom Verkehr mit großen Lkw entlasten. Zurzeit fahren allein von Brose täglich 100 Lastzüge in das südliche Werksgelände ein und wieder aus. Dieser Verkehr solle über das Weichengereuth, die Frankenbrücke und die Uferstraße geleitet werden.

Dass Fahrzeuge die Autobahn verlassen, um über die Innenstadt einige 100 Meter einzusparen, sei unwahrscheinlich: "Der zusätzliche Zeitaufwand rechtfertigt nie die geringe Verkürzung der Fahrtstrecke."

Der Ausbau des Weichengereuths sei zuerst zum Wahlkampfthema geworden, und diese Emotionalität habe sich bis heute fortgesetzt, fassen die Geschäftsführer zusammen. "So wird das Nadelöhr Weichengereuth ein Denkmal bleiben für Emotionalität, Wirtschaftsfeindlichkeit und Desinteresse an Verkehrssicherheit." sb