Die Bemalung der Fassade des Malzhauses der Brauerei Schübel an der Knollenstraße ist fertiggestellt. Das Gerüst bleibt allerdings noch stehen. Der Grund: Die Fassade muss abschließend mit einer UV-Sperre abgerollt werden, "denn sonst verblassen die Farben nach drei bis vier Jahren", hat Martin Blumöhr empfohlen.

Der Münchner Künstler hat mit Teilnehmern eines Urban-Art-Kurses des Stadtsteinacher Kulturforums "Campus Cactus" die Bemalung entworfen und die "Stadtsteinwand" anschließend umgesetzt - bei brütender Hitze, von der sich die fünf Künstler nicht abhalten ließen.

Entstanden ist ein buntes und durcheinander geschütteltes Kaleidoskop der Stadt Stadtsteinach ohne plumpe Werbung für die Brauerei. Lediglich Firmengründer Leonhard Schübel ist oben mit einem Porträt und der Jahreszahl 1872 verewigt. Er hat die Brauerei vor 150 Jahren gegründet. "Er ist wirklich ganz sensibel mit den Kursteilnehmern umgegangen", sagte Wolfgang Martin über Blumöhr, den er für dieses Kunstprojekt in der Stadt "an Land gezogen" hatte.

"Er hat uns von allen Bewerbern am meisten überzeugt, weil er völlig offen für die Gestaltung der Fassade war. Er hat keinen bestimmten Stil vorgegeben, das Team vielmehr animiert, Motive, die sie für Stadtsteinach typisch sehen, zusammenzubringen - egal ob die Kombination der Realität entspricht oder nicht." Dadurch sei ein im wahrsten Sinne fantastisches Abbild von Stadtsteinach entstanden.

Im unteren Teil rechts zu sehen ist der verbliebene Turm der Burg Nordeck, aus dem je nach Sichtweise Rauch oder Bierschaum quillt und über dem der Till der Faschingsgesellschaft reitet; links davon die Steinachklamm mit den Augen der Wassergeister und der Figur des Till am Waffenhammer. In der Mitte rechts Sankt Michael von Hopfen umwuchert, links daneben auf einer Blüte die Opferstätte mit dem Geweih des Forstamts obenauf.

Über dem Garagendach eine weitere stilisierte Blüte als Sudkessel, aus dem ein Kaktus, eine Maß Bier und das Heimatmuseum sprießen. Was sich die Kursteilnehmer bei ihren jeweiligen Motiven gedacht haben, das werden sie demnächst genauer auf einem Schild per QR-Code erzählen.

Ein Gesamtkunstwerk

Martin Blumöhr hatte noch einen dritten Tag angehängt und die einzelnen Motive zu einem Gesamtbild verbunden. Durchaus begeistert zeigten sich Stadtsteinacher, die ab und zu den Malern zugeschaut haben. Auch Braumeister Jürgen Münch goutierte die Fassade mit einem überschwänglich fränkischem "Bassd", und Andrea Schübel-Münch zeigte sich stolz auf die wahrscheinlich einzige Bemalung dieser Art im ganzen Landkreis Kulmbach.

Wolfgang Martin überlegt, ob man nicht eine Bank für die Betrachter aufstellen sollte. Platz davor wäre auf dem wahrscheinlich breitesten Gehsteig in der Stadt vorhanden; fehlt nur noch ein Sponsor ...