Bastian Sünkel Ein Gerücht geht so: Eine nicht näher benannte Tankstelle in oder um Kronach soll ein Mann ohne Maske betreten haben. Der Verkäufer weist den Mann darauf hin, dass er die Tankstelle nur mit Mund-Nasen-Schutz betreten darf. Er argumentiert, dass er doch nur schnell bezahlen wolle und gleich wieder weg sei. Der Tankstellenmitarbeiter erlaubt die Ausnahme, der Mann enttarnt sich als Zivilpolizist und kassiert den Mitarbeiter ab: Er habe gegen die Corona-Regeln verstoßen. Er verlangt angeblich 5000 Euro als Strafe.

Tatort und Einsatzkraft sind austauschbar. Einmal soll es ein Restaurant gewesen sein, das ein Mitarbeiter des Ordnungsamts der Stadt Kronach abkassiert hat. Ein andermal der Friseur. Doch jedes Mal dreht sich das Gerücht um ein- und denselben Kern: Die Ordnungshüter arbeiten mit Stasi-Methoden, um unbescholtene Kronacher abzukassieren.

Ein Beitrag, der Kreise zieht

Auf Facebook zieht der Post eines Kronachers seine Kreise. Bis Freitagmittag wurde der Beitrag 422-mal geteilt. Der Schreiber bedankt sich darin ironisch beim Ordnungsamt der Stadt Kronach und berichtet von einem Vorfall in einem - ebenfalls nicht näher genannten - Friseursalon. Auch dabei soll ein angeblich vergesslicher Kunde den Laden ohne Mundschutz betreten und die Angestellten darum gebeten haben, ihm nur kurz einen Gutschein auszustellen. "Wird dies aus Verständnis bejaht, dann schnappt die Falle zu", veröffentlicht der Verfasser. Andere Facebook-Nutzer kommentieren, sie hätten von ähnlichen Geschichten zum Beispiel in Bäckereien gehört. Der Verfasser des Posts kritisiert das Ordnungsamt in aller Schärfe: "So langsam glaube ich nicht mehr an Gerechtigkeit, so etwas ist eine riesengroße Sauerei, was das Ordnungsamt hier macht."

Nun hat die Stadt auf die Gerüchte reagiert. Bei Facebook titelt das Stadt-Portal "Kronach - Die Lucas-Cranach-Stadt im Naturpark Frankenwald" mit einem großen Ausrufezeichen im roten Dreieck: "Fake News!" Oliver Martin, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, sagt, dass die Erklärung im Internet für sich spreche. Darin verteidigt sich das Rathaus: "Seitens der Stadt Kronach wurden Kontrollen in Bezug auf Coronaregeln weder durchgeführt noch irgendein Bußgeld verhängt."

Jetzt ermittelt die Polizei wirklich

Nun gilt es, die Verantwortlichen für die kursierenden Gerüchte zu finden: "Gemeinsam mit der Polizei und dem Landratsamt Kronach wird derzeit eruiert, ob entweder Trickbetrüger unterwegs sind oder es sich um die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen handelt."

Matthias Schuhbäck, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Kronach, hat am Donnerstagnachmittag noch nichts davon gehört, dass auch um Zivilpolizisten Gerüchte kursieren. Der Dienststellenleiter sagt deutlich, dass in Kronach keine verdeckten Ermittler mit den behaupteten Methoden arbeiten. Es werden keine getarnten Corona-Kontrollen vonseiten der Polizei vorgenommen.

Ob es sich nun um ein aus der Luft gegriffenes, ein mutwillig gestreutes Gerücht oder tatsächlich um Trickbetrüger handelt, die sich als Ordnungshüter ausgeben, gilt es nun zu ermitteln. Polizist Schuhbäck erklärt, dass die Ermittlungen gerade anlaufen. Ähnliche Gerüchte sind aus den Landkreisen Lichtenfels und Bayreuth bekannt. Die Polizei wird nun angeblich betroffene Friseursalons und Gaststätten besuchen und die Ergebnisse anschließend bekanntgeben.

Der Schreiber des Facebook-Beitrags hat zumindest bereits reagiert: Kurz nach 12 Uhr war der öffentliche Post aus seinem Profil verschwunden.