Die Lager der Plassenburg-Kelterei sind voll, die Abfüllung läuft, der neue Geschäftsführer ist zufrieden. Der Mann, der vor 100 Tagen die Leitung des Betriebs übernahm, heißt Sven Distler, ist 47 Jahre alt und kommt aus Grafendobrach. "Ich bin noch in der Einarbeitungsphase. Es ist viel zu tun, denn ich muss mich in die verschiedensten Bereiche einfinden", sagt er und nennt Beschaffung und Produktion ebenso wie Abfüllung und Vertrieb.

Lieferanten profitieren

Distler hat sich vorgenommen, verstärkt auf Bioprodukte zu setzen. Sein Vorgänger hat bereits eine Biolinie ins Leben gerufen. Die möchte der neue Geschäftsführer forcieren. Möglicherweise gibt es bald nicht nur Apfelsaft, sondern auch andere Säfte in Bioqualität. "Noch liegt der Anteil unseres Bioapfelsaftes bei zwei Prozent. Aber wir wollen ihn weiter ausbauen", kündigt Distler an.

Über ihre Internetseite hat die Kelterei deshalb Obstbauern aufgefordert, sich zertifizieren zu lassen. Mit Erfolg. "Wir haben allein in diesem Jahr 20 neue Interessenten, die die Zertifizierung anstreben", so der 47-Jährige. Wer Bioäpfel liefern möchte, darf zuvor seit drei Jahren keinen Kunstdünger und keine Pestizide verwenden. Beim Preis zahlt sich das allerdings aus: Zertifizierte Äpfel werden mit dem doppelten Preis entlohnt.

Auch am Ausbau der Anlieferungsstellen arbeitet der neue Geschäftsführer. Aktuell können Äpfel in Bad Berneck, Melkendorf, Limmersdorf, Kirchenlamitz, Mitterteich, Pottenstein, Igensdorf, Lichtenfels, Sonnefeld, Steinach sowie in Ansbach und Heilsbronn abgegeben werden. "Wir suchen noch Anlieferungsstellen im Bereich Marktredwitz-Mitterteich in Naila, Hof, Selbitz", erklärt er.

Erklärtes Ziel sei es, in Zukunft stärker mit Landespflegeverbänden und Gartenbauvereinen zusammenzuarbeiten, denn: "Wir brauchen in Oberfranken weitere Apfelbäume."

"Wollen uns weiterentwickeln"

Der neue Mann an der Spitze der Kelterei bekennt sich klar zum Standort Bad Berneck. In den nächsten Wochen werden die Anlieferbunker saniert und mit einem neuen Anstrich versehen. "Bad Berneck ist das Herz der Kelterei. Der Standort bleibt ganz sicher. Wir stehen ja wirtschaftlich gut da und wollen uns weiterentwickeln", sagt Distler. Größere Investitionen sind allerdings erst im nächsten Jahr geplant. Erst möchte sich Distler sich einen umfassenden Überblick verschaffen, ehe er in eine detaillierte Zukunftsplanung einsteigt.

Ein echtes Ärgernis sind für den neuen Geschäftsführer die zurückgegebenen Kästen. Denn sie enthalten sehr häufig Fremdflaschen. "Bei den Getränkemärkten und bei den Annahmestellen ist alles okay. Aber an den Automaten in den Supermärkten werden die Kästen bunt durcheinander zurückgegeben, wir bekommen dann Milch- und andere Flaschen, mit denen wir nichts anfangen können", so Distler.

Die Kelterei koste dieses "Durcheinander" der Verbraucher pro Jahr rund 15 000 Euro. Denn immer wieder müssten neue Flaschen beschafft werden.

Saftverbrauch stagniert

Generell steigt die Beliebtheit der Mehrwegflaschen an. "Glasflaschen haben einen Umlauf von 40 bis 50 Mal und sie sind zu 100 Prozent recycelbar, das ist ein Pluspunkt gegenüber Tetrapacks und Plastik", sagt Sven Distler, der aber auch nachdenklich ist. "Der Saftverbrauch stagniert, man muss immer kämpfen. Aber ich bin zuversichtlich für die Zukunft", erklärt er.

Als Lebensmitteltechnologe hat er natürlich auch schon einige neue Produktideen im Hinterkopf. Doch mehr möchte er noch nicht verraten ...