Für das Bus- und Bahnfahren im Nahverkehr müssen viele Menschen in Deutschland im kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen. Je nach Region sind Tariferhöhungen von bis zu 2,7 Prozent angekündigt. Die Betriebe haben in der Corona-Krise Fahrgäste und Einnahmen eingebüßt, gleichzeitig steigen Kosten für Personal und Energie. Allerdings gibt es zahlreiche Regionen, in denen Fahrkarten nicht teurer werden - damit die Fahrgäste schneller zurückkehren.

Und es gibt neue Angebote für Arbeitnehmer, die nicht mehr jeden Tag ins Büro müssen. Der Trend zum Homeoffice macht sich bemerkbar: So wird in und um Stuttgart ein 10er-Tagesticket eingeführt. Wer mal zu Hause und mal im Büro arbeitet, kann die Fahrkarten nach und nach abfahren und braucht keine Monatskarte mehr. Von April an können sich die Kunden dazu zehn verbilligte Tageskarten aufs Handy laden. Das ist als Vorstufe zum "Flex-Abo" gedacht, dessen Einführung länger dauert. Überlegungen dazu gibt es in vielen Unternehmen und Verkehrsverbünden; auch die Deutsche Bahn hat für den Nahverkehr ein 10er-Tagesticket eingeführt. Denn die Branche geht davon aus, dass Corona das Mobilitätsverhalten auch für die Zeit nach der Pandemie ändert.

In diesem Jahr waren die Fahrgastzahlen zeitweise dramatisch eingebrochen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen geht davon aus, dass es durchschnittlich nur 40 Prozent der üblichen Nachfrage gab - ein jähes Ende nach mehr als zwei Jahrzehnten stetigen Wachstums. "Die Corona-Pandemie hat im ÖPNV tiefe Spuren hinterlassen", sagt Verbandspräsident Ingo Wortmann. Bund und Länder haben einen Rettungsschirm von bis zu fünf Milliarden Euro über den Betrieben aufgespannt. Denn Kosten für Löhne, Kraftstoff und Bahnstrom fallen weiter an - und steigen teils deutlich.

Eine Reihe großer Verkehrsverbünde will das auch mit Tariferhöhungen auffangen. Das spüren etwa Kunden im Raum Stuttgart, wo im April die Preise um 2,7 Prozent steigen. In und um München wurde es schon Mitte Dezember 2,8 Prozent teurer, es ist aber die erste Erhöhung seit drei Jahren. Im Großraum Nürnberg haben die Verantwortlichen dagegen die geplante Tariferhöhung auf Sommer verschoben. Fahrgäste sollen so nachträglich von der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 profitieren; dies sei einfacher als die unmittelbare, zweifache Umstellung des Tarifs.

Im Laufe des Jahres waren viele längere Fahrten im Nahverkehr günstiger geworden, Hintergrund war die Mehrwertsteuersenkung für Fahrten von mehr als 50 Kilometern. Wer mit der Deutschen Bahn oder einem ihrer Konkurrenten im Regionalverkehr unterwegs ist, zahlt aber seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember unter Umständen mehr. Fahrten außerhalb von Verkehrsverbünden sind seither nach Angaben des Tarifverbands der bundeseigenen und nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland 1,5 Prozent teurer. Das betrifft immerhin jeden fünften Kunden. dpa