Einsamkeit kommt gerade im Alter häufig vor. "Deshalb ist diese Aktion auch eine Anregung für alle Gastronomen", sagt Peter Landendörfer, Allgemeinmediziner und Seniorenbeauftragter der Marktgemeinde Heiligenstadt: Gemeinsam mit dem Gastronomen Johannes Harrer hat er einen Senioren-Mittagstisch im "Heiligenstadter Hof" gegründet.

"Ich bin ja draußen viel unterwegs. Da erschreckt es mich immer wieder, wie viele alte Menschen einsam und alleine sind", berichtet der Landarzt weiter. Im Gespräch mit Johannes Harrer kamen die beiden auf die Idee, diesen Mittagstisch ins Leben zu rufen. "Der muss natürlich auch bezahlbar sein, und es soll Kommunikation geschaffen werden", zählt Landendörfer auf. Harrer ergänzt, dass es eine Tafel gibt, an der die Senioren gemeinsam sitzen und sich unterhalten können. Nur hier kostet dann das Hauptgericht 6,90 Euro.

"Ich habe bei Hausbesuchen oft erlebt, wie quälend die Einsamkeit für Senioren ist. Sie kochen sich kaum selbst etwas und sitzen den ganzen Tag vor der Glotze", erzählt Landendörfer und zeigt Ergebnisse einer Projektarbeit von der Ruhr-Universität Bochum vom Januar dieses Jahres. Hier ist zu lesen, dass 2016 in Deutschland in etwa 41 Prozent aller Haushalte nur eine Person lebte. Der EU-Durchschnitt liegt bei 33 Prozent. Weiter ist in dem Bericht von Maike Luhmann und Susanne Brückner zu lesen, dass in hohem Lebensalter Frauen häufiger alleine leben als Männer.

Der wichtigste soziale Kontakt älterer Menschen sind die eigenen Kinder, Enkelkinder und der Lebenspartner. "Interessant an der Studie ist, dass herauskam, dass die breite Mehrheit der über 80-Jährigen nicht unter chronischer Einsamkeit zu leiden scheint", berichtet Landendörfer. Daraus habe man geschlossen, dass besonders einsame Menschen das 80. Lebensjahr gar nicht erst erreichen. Die über 80-Jährigen dagegen waren sozial besser vernetzt.

"Der Einsamkeit kann man ja entgegenwirken", meint auch Johannes Harrer. Er freut sich immer, wenn ältere Herrschaften gemeinsam Ausflüge unternehmen. Und so lag der Gedanke nahe, dass man den Senioren in Heiligenstadt eine Möglichkeit bietet, täglich mittags herauszukommen, um sich mit anderen zu treffen, sich auszutauschen und dabei gemütlich etwas zu essen.

Bei Vortrag gut hingehört

"Ich habe ja viel mit älteren Herrschaften zu tun. Deshalb habe ich beim Vortrag von Professor Elmar Gräßel hier in Heiligenstadt gut hingehört", erklärt Harrer und erzählt von der MAKS-Therapie, die der Leiter des Bereichs Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen entwickelt hat. "Da ging es eigentlich um die Normalität im Alltag", fasst Harrer zusammen. Diese nicht-medikamentöse Therapie will eine möglichst langfristige, intensive und wirksame Förderung von Menschen mit Gedächtniseinschränkungen im Alter erreichen. Damit bleiben Senioren auch länger selbstständig.

Bei der MAKS-Therapie werden soziale, senso-motorische, kognitive und alltagspraktische Fähigkeiten geübt. "Sie müssen raus, damit fördern wir die Motorik. Sie sitzen in einer Gruppe zusammen, damit wird das Sozialverhalten gefördert. Sie lesen die Speisekarte und müssen bestellen, damit wird die kognitive und alltagspraktische Fähigkeit unterstützt", erklärt Harrer. "Unsere Senioren bekommen aber auch etwas zum Essen", ergänzt der Gastronom.

Als gelernter Koch achtet er auf Abwechslung in der Küche, aber auch darauf, dass die Gerichte "seniorentauglich" sind. Zum Beispiel muss das Fleisch weich sein, damit auch Menschen mit Gebiss dieses ohne Probleme verzehren können.

"Unsere älteren Gäste mögen eher weniger Salz, dafür mehr Kräuter als Würze. Sie essen auch kleinere Portionen", zählt der Gastronom auf und verrät, dass die Senioren auch Wünsche äußern dürfen.

Peter Landendörfer und Johannes Harrer hoffen, dass noch mehr Gastwirtschaften das Konzept aufnehmen, damit Senioren anderer Ortsteile und Gemeinden ebenfalls die Möglichkeit eines Mittagstisches haben. "Da könnten sie dann zur Wirtschaft laufen - eventuell mit Gehhilfe - und brauchen keinen Fahrdienst.

"Ähnlich wie früher mit dem Stammtisch", fasst Johannes Harrer zusammen.