Die Impfkampagne gegen das Sars-Cov2-Virus soll Fahrt aufnehmen. Rund 8500 Arztpraxen in Bayern sollen ab dieser Woche Impfungen verabreichen, zusätzlich zu den Impfzentren.

Hans-Günther Kirchberg hat seine erste Impfrunde schon hinter sich. Der Allgemeinarzt und Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Coburg hat seine Praxis zwar an Robin Berwanger übergeben, impft aber noch mit - und zieht eine etwas ernüchterte Bilanz: "Es ist sehr umständlich." Zwei Fläschchen Astrazeneca-Wirkstoff hat die Praxis Berwanger in der vorigen Woche erhalten, als die ersten 1500 Praxen in Bayern mit dem Impfen beginnen durften. Ganz kurzfristig sei das entschieden worden; die Praxis hätten nur von Sonntag bis Montag Zeit gehabt, sich als Pilotpraxen zu melden, sagt Kirchberg.

Zwei Fläschchen von Astrazeneca lassen sich aufteilen in 20 Impfdosen. Es galt also, 20 Patienten zu finden. Die Hausärzte müssen sich an die Priorisierung halten: Geimpft werden darf, wer über 70 ist oder Vorerkrankungen hat, die eine Impfung geboten scheinen lassen. Wegen des Datenschutzes erfahren die Hausärzte nicht vom Impfzentrum, welche ihrer Patienten schon geimpft sind. "Rund 90 Prozent" hätten am Telefon gleich abgesagt, weil sie schon ihre Termine im Impfzentrum gehabt hatten, berichtet Kirchberg. Einige wenige lehnten einen Termin ab, als sie hörten, dass sie den Astrazeneca-Impfstoff erhalten sollen. Der Impfstoff soll derzeit nur noch bei Personen über 60 eingesetzt werden.

Am Ende waren die 20 Patienten beisammen und hatten ihre Termine. Dies deshalb, weil nicht zu viele Menschen auf einmal in die Praxis kommen sollten und weil das ganze Drumherum auch einige Zeit in Anspruch nimmt. Denn jeder Patient muss vor der Impfung seinen Aufklärungsbogen gelesen haben; sollten Fragen bleiben, muss sie der Arzt beantworten. Außerdem soll jeder Geimpfte noch etwa eine Viertelstunde beobachtet werden. Insofern ist der Ablauf der Impfung beim Hausarzt der gleiche wie im Impfzentrum.

Kirchberg rechnet vor: Vier Stunden habe es gedauert, im Vorfeld die in Frage kommenden Patienten abzutelefonieren. Zudem wurde eine Reserveliste aufgestellt, um Patienten kurzfristig einbestellen zu können für den Fall, dass Termine abgesagt werden. Bei dreien war das der Fall. Die Impfungen selbst fanden außerhalb der normalen Sprechstunde statt - das waren gut drei Arbeitsstunden extra für zwei Ärzte und drei Praxismitarbeiterinnen. Vorgesehen sei, dass den Ärzten jede Impfung mit 20 Euro vergütet wird, sagt Kirchberg. Zumindest sei das sein Wissensstand.

Es ist nicht die einzige unbekannte Größe: Derzeit ist nicht bekannt, wie viele Ärzte im Raum Coburg impfen wollen und können. Ulrich Zuber, Kreisvorsitzender des Hausärzteverbands Coburg, schätzt, dass es zwei Drittel sind. Praxen, die impfen wollen, müssen sich zwar bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayern registrieren. Aber die Verteilung des Impfstoffs läuft über die Apotheken. Die verteilen, was kommt - und das muss nicht immer dem entsprechen, was angefordert wurde.

Kirchberger weiß, dass die Praxis Berwanger diese Woche 36 Dosen Biontech-Impfstoff erhalten soll. Die sollen am Donnerstag und Freitag verimpft werden. Bereits am Montag, also am Feiertag, wurden die Patienten über Termine verständigt. Der Biontech-Impfstoff ist vom Handling her schwieriger als der von Astrazeneca, erläutert Kirchberg: Während das Vakzin von Astrazeneca einfach auf die Spritze gezogen und verimpft werden kann, muss das von Biontech-Pfizer erst vorsichtig mit Natriumchlorid vermischt werden.

Doch das ist es nicht, was das Impfen für die niedergelassenen Ärzte so aufwendig macht. "Wenn die Priorisierung für uns wegfällt, können wir mehr verimpfen", sagt Zuber. "Wenn wir erst mal jeden impfen dürfen, der es möchte, dann könnte man wesentlich flexibler damit umgehen und das während der normalen Sprechstunde machen."

Bis dahin aber gilt: Wer die Impfung will, sollte sich beim bayerischen Impfportal registrieren (https://impfzentren.bayern/citizen/). Von dort gibt es auf alle Fälle einen Termin. Wenn der Hausarzt sich noch vorher meldet, kann man sich beim Impfportal wieder löschen.