Rückblick auf das alte Jahr 2019 war angesagt in der Silvesterandacht im Dom, vor allem aber ein Ausblick auf 2020. Erzbischof Ludwig Schick beließ es nicht dabei, das neue Jahr ausschließlich Gottes Führung zu überantworten. Er nahm jeden und jede in die Pflicht: "Niemand kann sich zurücklehnen und sagen: Ich zähle nicht, auf mich kommt es nicht an." Denn "Frieden fällt nicht vom Himmel, sondern wird vom Himmel geschenkt und ist eine Gnade, die auf der Erde immer wieder neu ausgebreitet und bewahrt werden muss - von jedem Einzelnen."

Erzbischof Schick umschrieb damit das Jahresmotto 2020 im Erzbistum Bamberg "Gnade und Friede sei mit Euch". Alle Christen sollten sich darüber klar werden, dass es ohne Friede kein gutes Leben gebe. "Friede ist nicht nur ein hohes Gut, sondern ein unverzichtbares", betonte Schick in seiner Predigt. Er beklagte die zunehmende Gewalt gegen Kinder in der Familie und auch der Kinder untereinander in den Schulen. Die Gewalt gegen Frauen. Die Alltagsgewalt im Straßenverkehr, die Ellenbogengewalt in Betrieben, die Wortgewalt in den sozialen Kommunikationsmitteln.

Der Erzbischof benannte die Kriege und Bürgerkriege in der Welt, das Gewaltpotenzial von islamistischen Gruppen, für die Menschenleben keine Rolle spielten. Auch die Gewalt gegen die Umwelt und Schöpfung nehme zu, sagte Schick und nannte als ein Beispiel das Abholzen in Amazonien.

Schrauben drehen

"Wenn wir den Frieden bewahren, wiederherstellen und ausbreiten wollen, müssen wir an allen Schrauben drehen", forderte Erzbischof Schick. Jedes noch so kleines Schräubchen sei ein Beitrag zum Frieden, der im persönlichen Bereich beginne und den Frieden im staatlichen sowie internationalen Bereich stärke. Jeder könne bei sich selbst anfangen und bescheidener leben, so der Bamberger Oberhirte. Wichtig sei es, genügsamer im Verbrauch von Gütern zu sein und nicht über die eigenen Verhältnisse zu leben. Ebenso wichtig sei der Verzicht auf Hochmut, Großtuerei, Macht und Machogehabe als ein Beitrag zum Frieden ohne Nationalismus und Populismus.

Neben der Jahresschlussandacht im Dom, die die Mädchenkantorei unter der Leitung von Franziska Bauer musikalisch gestaltete, wurde Silvester auch in den anderen Bamberger Kirchen mit Gottesdiensten gefeiert. Tausende nutzten diese Stunde zur Besinnung, zum Danksagen für das Vergangene und zum Blick in die Zukunft einer neuen Dekade.