Yamen, Lana und Idi spielen am großen Tisch im "Haus Barbara" der Caritas. Ihre Tagesmutter muss sich einer Operation unterziehen und wird die nächste Zeit ausfallen. Annette Krautheim-Schneider und Mege Huwald betreuen sie in diesem Zeitraum.
Die beiden Musikpädagoginnen leiten die Ersatztagesmütterbetreuung. Setzt der Landkreis Forchheim schon seit Langem auf Tagesmütter zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren, gibt es diese Auffangstelle seit zehn Jahren. Vorher versuchten die Tagesmütter untereinander, einen Ausfall auszugleichen, berichtet Dagmar May vom Jugendamt.


Einsatz im Notfall gesichert

Doch nicht nur für den Notfall sind die Betreuerinnen da. Ihre Hauptaufgabe ist die Fortbildung der Tagesmütter. Deshalb, aber auch damit sie die betreuten Kinder schon kennen, kommen diese mit ihren Tagesmüttern einmal wöchentlich ins Haus. "Wir haben jeden Tag eine Spielgruppe", erläutert Huwald. Über 20 Tagesmütter mit insgesamt 60 Kindern kommen regelmäßig und in der Zweigstelle für den südlichen Landkreis in Weißenohe sind es noch einmal so viele.
"Der Landkreis heißt zu Recht ,familienfreundliche Region‘", betont Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann. 15 Prozent der Betreuungsplätze werden durch Tagesmütter abgedeckt. 167 Kinder sind es derzeit; der Höchststand war 2013 mit 218 Kindern. Damit ist Forchheim führend in der Region. In Bamberg werden nur 30 Kinder so betreut; im Schnitt liegen die Zahlen bei 50 bis 60, weiß May.
Sie erinnert an den "Kraftakt", die Ersatzbetreuung bei Ausfall der Tagesmutter einzurichten. Wichtig war ihr und der Fachreferentin im Landratsamt, Jutta Strom-Haensch, die Qualität. Die sieht sie in den Räumen gegeben, aber besonders in den wöchentlichen Spielgruppen. Konnten früher Frauen ohne besondere Ausbildung Tagesmütter machen, änderte sich 2006 durch das Bayerische Kinderbildungsgesetz der Anspruch. Ohne Pflegeerlaubnis geht es nicht mehr. Bis zu fünf Kinder darf eine Tagesmutter gleichzeitig betreuen. Und ihnen steht die wöchentliche Unterstützung im Rahmen der Spielgruppen offen.
"Hier haben die Eltern die Entscheidung, ob ihr Kind institutionell oder familiär betreut wird", sagt Krautheim-Schneider mit einem gewissen Stolz. Den teilt auch Strom-Haensch und erinnert an eine Frau, die bereits seit 24 Jahren als Tagesmutter arbeitet. Oder an Kinderpflegerinnen, die auf diesem Weg ins Berufsleben zurückgekehrt sind.


Zweite Muttersprache lernen

Sogar zwei Großtagespflegestätten gibt es im Landkreis. In der einen arbeiten ein Ehepaar und eine weitere Frau. Vom zweiten Mann in der Tagespflege sagt Strom-Haensch nur: "Er ist der König". Nicht nur, weil er gut mit Kindern umgehen kann, sondern wegen seiner Spezialaufgabe. Er macht die Randbetreuung, wenn Betreuungsinstitutionen schon geschlossen haben, aber die Arbeitszeit der Eltern noch nicht vorbei ist.
Dass Tagesmütter für Eltern mit Schichtdienst heiß begehrt sind, versteht sich von selbst. Der Anstoß, auf Tagesmütter zu setzen, sagt May, war der Mangel an Krippenplätzen bis vor Kurzem. Ausdrücklich weist sie darauf hin, dass der Elternbeitrag für Tagesmütter gleich hoch ist und nach denselben Regeln die Kosten vom Jugendamt übernommen werden. In 47 Prozent der Fälle ist das so, häufig bei Alleinerziehenden und neuerdings bei Familien mit Migrationshintergrund. "Sie lernen bei der Tagesmutter ihre zweite Muttersprache", betont Krautheim-Schneider. Nicht selten sind in der Ersatzbetreuung Kinder aus fünf, sechs Nationen beisammen.