Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat am Dienstag die vier ausgewählten "Kopernikus-Projekte für die Energiewende" bekanntgegeben. In diesen Projekten werden über einen Zeitraum von zehn Jahren gemeinsam von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft technologische und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energiesystems entwickelt. Erlangen spielt dabei eine wichtige Rolle, denn die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) und die Siemens AG sind an drei der vier erfolgreichen Konsortien beteiligt, teilt der Erlanger Wahlkreisabgeordnete im Deutschen Bundestag und Forschungsstaatssekretär Stefan Müller (CSU) mit.
Mit dem Start der Kopernikus-Projekte geht die größte Forschungsinitiative zur Energiewende in vier Schlüsselbereichen in die Umsetzung: der Entwicklung von Stromnetzen, der Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie durch Umwandlung in andere Energieträger, der Neuausrichtung von Industrieprozessen auf eine fluktuierende Energieversorgung und dem verbesserten Zusammenspiel aller Sektoren des Energiesystems. Bis 2025 sollen so neue Energiekonzepte auf den Weg gebracht werden, die sowohl im großtechnischen Maßstab angewendet, gleichzeitig aber auch gesellschaftlich mitgetragen werden können.
Erlanger Einrichtungen sind in den Konsortien beteiligt, die sich den Themenfeldern Neue Netzstrukturen, Speicherung von Überschussstrom und Industrieprozesse widmen. Konkret fließen insgesamt knapp sechs Millionen Euro nach Erlangen und Nürnberg.


Energie-Überschüsse speichern

3,75 Millionen Euro gehen an die dort angesiedelten Partner des Konsortiums Ensure, das unter Leitung von Professor Holger Hanselka vom Karlsruher Institut für Technologie daran arbeitet, wie durch eine Kombination von dezentral und zentral erzeugtem Strom die Kosten für den Netzumbau verringert werden könnten. Der Bereich Corporate Technology der Siemens AG erhält davon 3,15 Millionen Euro, der Lehrstuhl für Elektrische Energiesysteme der FAU, Prof. Matthias Luther, 600 000 Euro.
1,89 Millionen Euro erhalten die Erlanger Partner im Konsortium P2X, das unter der Führung von Professor Leitner von der RWTH Aachen großtechnische Voraussetzungen erarbeiten wird, um mehr als 90 Prozent der zukünftigen Erneuerbare-Energien-Überschüsse in Form von chemischen Grundstoffen, gasförmigen Energieträgern und Kraftstoffen zu speichern. 1,05 Millionen Euro gehen dabei an Siemens Corporate Technologies, 843 000 Euro an den Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik, Prof. Peter Wasserscheid.
Weitere 293 434 Euro gehen an den FAU-Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik, Prof. Jörg Franke, als Partner im Konsortium SynErgie. Unter der Leitung von Professor Eberhard Abele von der TU Darmstadt soll von diesem Konsortium erstmals in Deutschland branchenübergreifend demonstriert werden, wie gerade energieintensive Produktionsprozesse an eine schwankende Energieversorgung angepasst werden können. Durch diese Maßnahmen könnten die Energieversorgungskosten der Industrie bis 2020 um schätzungsweise mehr als zehn Milliarden Euro verringert werden - bei erheblicher Reduzierung der CO2 -Emissionen. red