"Ich will nicht als ‚Autor mit Fluchtbiografie‘ bezeichnet werden", betont Hamed Abboud, "ich will mich von diesem Rahmen befreien und auch über andere Themen schreiben - ich will Autor sein!" Klare Worte, mit denen der Schriftsteller einen interessanten Abend beendete: zweisprachig, emotional und ein Symbol für die Zusammenkunft zweier Kulturen.

"Was er erlebt hat, haben viele unserer Mitbürger mit Fluchthintergrund erlebt", sagt Gabriele Vogel von der Stadtbücherei. Abbouds Werke könnten uns mitnehmen in den Prozess der Integration - ein wichtiger Beitrag zur Gesellschaft und zum gegenseitigen Verständnis, wie er selbst es ausdrückt. Sein erstes Buch "Der Tod backt einen Geburtstagskuchen" handelt vor allem von der Sehnsucht nach Syrien. "Im neuen Buch gibt es eine Balance zwischen Syrien und Österreich", erklärt Abboud, schließlich habe er im Burgenland seine zweite Heimat gefunden.

Heimat, das ist der Ort, wo auch seine Freunde sind. "Wie sehr vermissen Sie Syrien?", fragt eine Besucherin. Abboud lächelt. "Am Anfang wollte ich unbedingt zurück", gibt er zu, "weil alle meine Freunde dort waren. Mittlerweile sind sie alle fort." Nur sein Vater sei geblieben. Er stelle nun die einzige Verbindung nach Syrien dar. Wichtig seien doch nur geliebte Menschen, die einen umgeben. "Man fühlt sich fremd in jeder Straße, in der man keine Menschen kennt", erklärt der Autor mit einem Lächeln, "Erinnerung besteht aus Menschen".

Mit seinen Büchern will Hamed Abboud ein "Fenster zum Dialog öffnen". Er schreibt ironisch, will seine Freunde in den schweren Zeiten zum Lachen bringen, aber auch erklären, aufklären, eine Brücke bauen. Als Symbol dafür sind seine Werke zweisprachig, deutsch und arabisch, genauso wie seine Lesungen. "Wer kein arabisch versteht, kann einfach seine Augen schließen und sich vorstellen, was es bedeuten könnte", schlägt er vor. Eine Einladung zu einer spannenden Erfahrung, bei der Lautstärke, Schnelligkeit und vor allem die Emotion beim Lesen der Worte wichtig sind. Worte, die alles Mögliche bedeuten könnten. Eine Einladung, sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen, sondern sich dem Unbekannten zu öffnen.