Die Flexibilität vermissen die Eltern am meisten an der Mittagsbetreuung ihrer Kinder in der Siegfried-Möslein-Grundschule. Starre Zeiten zur Anwesenheit lassen sich oft nicht mit der jeweiligen familiären Situation und beruflichen Zwängen unter einen Hut bringen, erbrachte eine erneute Bedarfsabfrage seitens der Gemeinde Großheirath bei den Eltern. Eine Kostenübernahme durch die Gemeinde könnte Abhilfe schaffen. Das Thema war schon in der Gemeinderatssitzung vom Juni (Coburger Tageblatt vom 19. Juni) auf der Tagesordnung und wurde in der jüngsten Sitzung am Mittwochabend nochmals aufgegriffen.

Die Jugendbeauftragten stellten das Ergebnis der neuerlichen Abfrage im Detail vor. Alle Eltern wünschten sich flexiblere Besuchszeiten, was aber bislang an Grenzen stößt, weil bestimmte staatliche Vorgaben an die Förderung geknüpft sind. Unter den Zuhörern der Sitzung waren auch einige Eltern, die mit Einverständnis des Gremiums Rederecht erhielten und ihre jeweilige Situation schildern konnten.

Viele Kinder seien nur deshalb nicht angemeldet, weil die 14-Uhr-Betreuung fehle und die Zeiten für kleine Kinder zu lang seien. Bürgermeister Udo Siegel pflichtete bei, dass Handlungsbedarf bestehe. Eine Lösung könnte sein, die 14-Uhr-Gruppe wieder einzuführen. Die Gemeinde erklärte sich bereit, wegfallende staatliche Zuschüsse zu übernehmen, Einzelheiten müssen mit dem Verein "For You" ausgehandelt werden.

Verringerter Haushalt

Viele Zahlen nannte Kämmerer Marco Rothämel in seinem Bericht zur Haushaltssatzung und dem Haushaltsplan für 2020. Die Einwohnerzahl ist zum 30. Juni 2019 wieder leicht angestiegen auf 2678, davon werden 1193 als Beschäftigte gezählt.

Man hat einen Verwaltungshaushalt (VWH) mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 5 311 640 Euro aufgestellt, der Vermögenshaushalt (VMH) umfasst 3 587 375 Euro. Bedingt durch die Corona-Pandemie haben sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 3,14 Prozent (VMH) und 28,79 Prozent (VWH) vermindert.

Keine Kredite

Kreditaufnahmen für Investitionen und Investitionsfördermaßnahmen sind nicht vorgesehen, ebenso wenig Verpflichtungsermächtigungen im Vermögenshaushalt. Die Hebesätze für die Gemeindesteuern bleiben unverändert bei 360 von Hundert für land- und forstwirtschaftliche Betriebe und für Grundstücke (B), die Gewerbesteuer bleibt bei 380 von Hundert. Der Schuldenstand steht seit Jahren konstant bei Null.

Im Rückblick auf das Rechnungsjahr 2019 war eine sehr positive Entwicklung der Steuereinnahmen zu beobachten. Die Ausweisung von Bauland war dafür genauso ausschlaggebend wie die gute Konjunktur und wirtschaftliche Lage. Zum Jahresende hatte die Gemeinde Rücklagen in Höhe von 2 788 599 Euro sicher.

Angesichts der ordentlichen Ersparnisse kann die Gemeinde weitere Investitionsmaßnahmen fertigstellen oder in Angriff nehmen. Im Jahr 2019 wurden rund 1,5 Million Euro Gewerbesteuer eingenommen, dieses Jahr ist jedoch mit einem Einbruch zu rechnen. Die Einkommensteuerbeteiligung wird auf circa 1,6 Millionen Euro gleich bleiben. Die Schlüsselzuweisungen vermindern sich um rund 122 000 Euro auf 413 510 Euro. Aus dem laufenden Betrieb kann ein voraussichtlicher Überschuss von 31 620 Euro (Vorjahr 1 524 269 Euro) erwirtschaftet werden.

Hier wird investiert

Die Investitionen und Investitionsfördermaßnahmen betragen 3,2 Millionen Euro. Schwerpunkte sind dabei die Dorferneuerung in Rossach, Sanierung der Schulstraße mit Kanal, Sanierung der Seßlacher Straße in Watzendorf, Sanierung Froschweg in Gossenberg, Digitalisierung der Schule, Erstellung eines digitalen Wasser- und Abwasserkatasters und der Erwerb von Bauland. Stolz hob der Kämmerer hervor, dass dies ohne Kreditaufnahmen erfolgen kann. Auch im Ausblick auf die Finanzplanungsjahre bis 2023 werden keine Kredite notwendig. Auf der Ausgabenseite ist man stolz auf die niedrigen Personalausgaben. Sie machen mit 947 920 Euro nur 17,85 Prozent des Verwaltungshaushaltes aus.

Positive Entwicklung

Die Verschuldung ist Null. Lediglich beim Zweckverband Itzgrund hat man anteilige Schulden in Höhe von 16,22 Euro pro Einwohner. Die voraussichtliche Entwicklung der Rücklagen bis zum Jahr 2023 weist nur eine Richtung auf: nach oben. Man rechnet dann mit einer Zuführung von rund 1,1 Millionen Euro. Das Investitionsprogramm für 2020 sieht Maßnahmen mit einer Gesamtsumme von 3 221 020 Euro vor. Das Gremium stimmte dem Haushaltsplan einstimmig zu.

Für die Absenkung der Umsatzsteuer auf die Wassergebühr möchte die Gemeinde eine komplizierte Rechnerei und Aufsplittung verzichten und wird daher das komplette Abrechnungsjahr mit fünf anstelle von sieben Prozent versteuern. lbö