und Michael Busch

Thomas Kotzer ist erleichtert: Er darf sein Geschäft, den Schreibwarenladen Ellwanger, nun doch öffnen. Diese Nachricht wurde ihm am Donnerstag übermittelt, sagte er am Abend am Rande der Stadtratssitzung im FT-Gespräch.

Freilich spielte anfangs noch eine gewisse Skepsis mit, als ihn Mitarbeiter des Landratsamt besucht und ihm die Entwicklung persönlich mitgeteilt hatten. Denn bislang war er davon ausgegangen, dass er nicht öffnen dürfe. Als Grund für die Entscheidung wurde angegeben, dass Ellwanger als Schwerpunktsortiment Schreibwaren und Zeitschriften hat. Das erlaubt es ihm, zu öffnen.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat folgendes festgelegt: "Mischbetriebe werden nach dem Schwerpunktprinzip beurteilt. Sie können insgesamt öffnen, wenn der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit (mehr als 50 Prozent) im erlaubten Bereich liegt. Sie können dann auch die übrigen Sortimente verkaufen, um die betrieblichen Abläufe nicht zu belasten". Als Beispiel wird da auch konkret der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften angegeben.

Kritik wurde laut

In den letzten Tagen war in der Bevölkerung Kritik an der bayerischen "Schließungspolitik" laut geworden, wie auch beim Handelsverband. Wenn die "Großen" öffnen dürften, die Kleinen aber schließen müssten, obwohl sie in Teilen das gleiche Sortiment anbieten, dann wäre das Wettbewerbsverzerrung, hieß es. Außerdem würde dann gerade das Gegenteil von dem erreicht, was mit einem Lockdown beabsichtigt sein müsste, hörte man immer wieder. Die Kunden würden bestimmten Geschäften die Tür einrennen.

Das sieht Kotzer so ähnlich, auch wenn ihn zum Konkurrenzbetrieb, dem großen Drogeriemarkt um die Ecke, eine durchaus gute Beziehung verbinde, denn "wir kommen klar". Wenn aber zwei statt nur einer öffnen dürfen, so sagt er, "dann verteilt sich's".

Dennoch: Das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr sei nicht das gleiche wie gewohnt, meint Kotzer. Seiner Feststellung nach sind die Leute zurückhaltender und halten sich an die Beschränkungen. Unverständlich ist für den Unternehmer die Prospektflut, die man trotz des Lockdowns in den Briefkästen vorfinde. "Ich würde diese Hauswurfsendungen verbieten", sagt Kotzer.

Lieferservice

Für die Förder- und Werbegemeinschaft der Stadt erklärt Vorsitzender Stefan Müller, dass es seines Wissens nach keine weiteren Betriebe gibt, die wie Ellwanger überraschenderweise aufmachen. Allerdings bieten viele Einzelhändler einen Lieferservice an. "Die Liste findet sich auf der Homepage der Stadt Herzogenaurach wieder", erklärt er.

Ob man mit dieser Dienstleistung gegen die "Großen" wie Amazon antreten könne, sei schwer zu beurteilen. "Letztlich entscheidet es der Kunde, wohin er geht." Generell werde die Möglichkeit das Weihnachtsgeschäft nicht retten. "Es ist etwas anderes, in den Laden zu gehen und sich beraten zu lassen", sagt Müller, selber Chef des gleichnamigen Fotofachgeschäftes. Und ergänzt: "Es ist eher eine symbolische Geste."

Ein wichtiger Part sei es die nächsten drei bis vier Monate zu überstehen. Denn eines sei klar: "Ein Teil des Handels lebt vom Weihnachtsgeschäft, auch von den weihnachtlichen Folgegeschäften am Anfang des Jahres." Besonders seien die Geschäfte betroffen, die speziell im Bereich der Geschenke eine wichtige Rolle spielen. Bei ihm zeige sich das zum Beispiel: "Fotos und Rahmen sind solche klassischen Geschenke, die fallen halt weg." Es treffe weniger die Verkäufe von Alltagsgegenständen.

Um diese Geschäfte zu retten, sei es aber auch wichtig, dass die angekündigten Staatshilfen gezahlt werden und ankommen. Und der Blick in die Zukunft für den Einzelhandel? "Ich denke schon, dass es eine Stabilisierung gibt." Das Thema Impfen werde eine große Rolle spielen für die Entwicklung der Pandemie.

Ausblick

Wenn die Menschen wieder normal einkaufen können, das Haus verlassen, sei ein wichtiger Schritt getan. Müller hofft, dass es Mitte des Jahres wieder besser läuft. Und wenn sich alles normalisiert, so sieht er optimistisch in das nächste Jahr: "Dann sehe ich schon das Licht am Horizont."