Geht Ihnen Corona auch so auf die Nerven? Finden Sie nicht, dass es jetzt reicht mit dem Schnee? Also, was sich Bürgermeister Nowak da wieder ausgedacht hat, ist doch toll, oder? - alles herrliche Ratsch-Themen. Ratschen ist wichtig, um auf dem Laufenden zu bleiben oder auch nur, um Kontakte zu pflegen. Das ist nur gerade nicht so einfach, denn die Corona-Pandemie verlangt, dass wir alle möglichst wenig Kontakt zu anderen haben.

Glücklicherweise gibt es noch immer das gute alte Telefon, bei dem jede Distanz gewahrt bleibt und trotzdem nach Herzenslust geratscht werden kann. Auf dieser Grundlage ist nun ein neues Angebot der Stadt Coburg (Büro Senioren & Ehrenamt) entstanden: Der "Coburg Ratsch", der am 1. Februar starten wird. Worum es geht, erklärt der Flyer, der in den nächsten Tagen ausgelegt wird: Der Coburg Ratsch bietet ein Podium zum Reden. Für einen Plausch im Alltag, vergleichbar mit einem netten Ratsch bei Begegnungen auf dem Markt, im Bus, in der Begegnungsstätte oder im Treppenhaus. Was der Coburg Ratsch dagegen nicht will, ist bereits bestehenden Angeboten wie der Telefonseelsorge oder Beratungsstellen Konkurrenz machen.

Wer einfach nur ein bisschen ratschen möchte, egal über welches Thema, kann Montag bis Samstag, jeweils von 17 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 09561/9769677 anrufen. Am anderen Ende der Leitung sitzt einer der 13 Ehrenamtlichen und nimmt sich Zeit für einen Plausch.

Entstanden ist die Idee im Rahmen des Projekts "Coburg contra Corona", das die Hochschule Coburg im vergangenen März gestartet hatte. Im ersten digitalen Bürgerdialog am 25. November, bei dem in mehreren Gruppen über diverse Coburger Themen diskutiert werden konnte, wurde die Idee aufgegriffen und anschließend kontinuierlich weiterentwickelt. Das Ergebnis stellte das Team aus Mitarbeitern der Stadt Coburg, der Hochschule und den ehrenamtlichen Telefonisten am Mittwoch in einer Video-Pressekonferenz vor.

Angesichts von Corona sei das Angebot aktueller denn je, sagt Antje Hennig vom Büro Senioren & Ehrenamt. Erst am Morgen habe sie mit einer Seniorin gesprochen, die sich über fehlende Kontaktmöglichkeiten beklagt habe, berichtete Hennig. "Ich habe ihr den Coburg Ratsch ans Herz gelegt. Sie wird sich am Montag melden."

Am Telefon wird ab kommenden Montag unter anderem Hildegard Mogalle sitzen. Sie habe bei ihrer Teilnahme am digitalen Bürgerdialog von der Aktion gehört. "Ich bin da gleich aufgesprungen, denn die Idee hat mir sehr imponiert. Da passe ich gut hinein", sagt Hildegard Mogalle, die sich auch im Coburger Seniorenbeirat engagiert. Für den Coburg Ratsch hat sie gleich noch vier weitere Mitglieder aus dem Seniorenbeirat gewonnen, die ebenfalls mitmachen wollen. Sie freue sich auf Montag, weist aber noch einmal ausdrücklich darauf hin: "Wir sind keine Therapeuten, wir sind Zuhörer und wollen einfach nur mitein­ander ratschen."

Auch Stefan Kornherr von der Diakonie Coburg hat sich für die Idee gewinnen lassen. Er habe bei der Beratung gemerkt, dass hier eine echte Lücke bestehe. "Der ganz normale Alltagsplausch fehlt. Dass man sich in irgendeinem Laden trifft oder auf dem Marktplatz, das ist alles eingeschränkt." Die Telefonisten werden übrigens angeleitet, wie man Gespräche führt, problematische Inhalte erkennt und wann man besser die professionelle Beratung einschaltet.