Es wird brenzlig in Wald und Flur. "Ich weiß, es sieht nicht so aus, aber wir haben jetzt höchste Gefahr für Brände im Wald und vor allem auch auf Grasland", sagt Kreisbrandrat Manfred Lorenz.

Zusammen mit Forstmeister Norbert Seitz, der ebenfalls Feuerwehrmann ist, betrachtet Lorenz eine Waldfläche, auf der nach massivem Befall mit Borkenkäfern alle Bäume gefällt werden mussten. Bei jedem Schritt knistert trockenes Reisig unter den Füßen. Vom Boden steigt Wärme auf. Obwohl die Luft gerade einmal 25 Grad warm ist, zeigt das Thermometer, das Norbert Seitz auf den Boden richtet, schon 41 Grad. Tendenz: rasch steigend.

Corona hat dem Wald viel mehr Besucher beschert, die diesen Raum für sich und ihre Freizeit entdeckt haben. Das findet Norbert Seitz nicht schlecht. Er sagt aber auch: "Uns hat das eine Menge Müll beschert und das kann gerade jetzt gefährlich werden." Manfred Lorenz pflichtet ihm bei: "Jetzt reicht eine weggeworfene Flasche, und wir haben einen Flächenbrand." Das Inferno kann von einer Kippe ausgelöst werden oder von etwas, woran viele gar nicht denken: "Wenn jemand sein Auto neben dem Flurweg auf eine Grasfläche stellt, kann der Kat das Gras in Brand setzen", sagt Manfred Lorenz. Die Auspuffanlage unter dem Fahrzeug wird mehrere hundert Grad heiß.

Förster, Landwirte und Feuerwehr appellieren dringend an alle, die sich in der Natur bewegen, größte Vorsicht walten zu lassen. Rauchen ist im Wald strengstens verboten, jede Form von offenem Feuer verbietet sich von selbst. Aber auch der sorglose Umgang mit Müll kann üble Folgen haben. Abgesehen davon, dass vieles für Wildtiere zur Falle werden kann, birgt vor allem Glas große Gefahren. Eine Scherbe kann wie ein Brennglas wirken und dürres Gras oder Reisig entzünden, warnt der Kreisbrandrat.

Dass die Gefahr für verheerende Brände immer größer wird, hat auch mit der katastrophalen Vermehrung der Borkenkäfer zu tun. Sie haben sich seit den Extremsommern 2018 und 2019 schon sprunghaft vermehrt und die in der Hitze geschwächten Fichten reihenweise vernichtet. 2020 ging der Befall nicht wesentlich zurück und das kühle und nasse Frühjahr 2021 war nicht mehr als eine Verschnaufpause.

Aktuell warnt Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber die Waldbesitzer vor einem massiven Schwärmflug der Käfer mit der jetzt auftretenden Hitze: "Nur wenn die Waldbesitzer rasch und konsequent handeln, haben wir eine Chance, ein weiteres Katastrophenjahr in unseren Wäldern zu verhindern."

Warnung und Vorbereitung

Wo Käferschwärme ganze Waldareale in stehendes Totholz verwandeln, da steigt die Gefahr für Waldbrände enorm. Deswegen hat die Regierung von Oberfranken vom Samstag, 19. Juni, bis Sonntag, 20. Juni, den Einsatz von Luftbeobachtern angeordnet, die Beobachtungsflüge über den gesamten Regierungsbezirk unternehmen werden.

Frühes Erkennen ist bei Waldbränden besonders wichtig. "Die Anfahrtswege sind oft schwierig, Wasser nur schwer und über große Strecken zum Brandort zu bringen, da ist jede Minute kostbar", sagt Manfred Lorenz. Eine Lösung bieten Hubschrauber. Löschflugzeuge sind in Bayern kaum einsetzbar, weil es kaum Gewässer gibt, an denen sie Wasser aufnehmen können. An 18 Standorten im Freistaat stehen sogenannte Flughelfer bereit, die extra von der Feuerwehrschule in Würzburg ausgebildet wurden. Sie können mit Außenlastbehältern für Hubschrauber umgehen. 40 solche Behälter stehen zur Verfügung. Die Hubschrauber kommen von der Polizei, bei Bedarf auch von der Bundespolizei oder Bundeswehr. 900 Liter Wasser passen in so einen Behälter. Es stehen auch Behälter mit 5000 Litern zur Verfügung. Die kann aber nur ein Lastenhubschrauber tragen (etwa vom Typ CH 53, wie er in der Bundeswehr eingesetzt wird). "Bei entsprechenden Lagen können wir Hubschrauber für Löscheinsätze anfordern. Die stehen dann auch recht schnell zur Verfügung", sagt Manfred Lorenz.

Bei einem Waldbrand im Gebiet Bausenberg vor ungefähr 30 Jahren, erinnert sich Manfred Lorenz, gab es schon einmal so einen Einsatz. Auch wenn die Lage jetzt brenzlig wird, hofft er, dass er keinen Alarm wegen eines Waldbrandes erleben muss.