Hans-Heinrich Eidt hat einen Blick für Häuser, die dringend Hilfe brauchen. Als Vorsitzender von Stadtbild Coburg ist er seit Jahrzehnten der Mann für finanzielle Unterstützung bei Gebäude-Renovierungen. Mit der Spende von Christine Volkmann und Michael Stoschek unterstützt Stadtbild Coburg Hauseigentümer bei der Sanierung.

Das alte Färberhaus in der Schützenstraße 1 hätte nach Eidts Vorstellungen ein solches Objekt sein können. Doch erste Schätzungen für die Renovierung beliefen sich auf mindestens 800 000 Euro. Das sei Michael Stoschek allein zuviel gewesen. Das Ziel der Millionenspende sei es, möglichst viele verschiedene Projekte zu begleiten.

Aber Hans-Heinrich Eidt gab nicht auf. Tatsächlich fand er einen Münchner Investor, der Interesse an dem maroden Gebäude zeigte. Das war 2019. Der Handwerker, der in Coburg mehrere Häuser wieder auf Vordermann bringt, unter anderem in der Mohrenstraße und aktuell in der Steingasse, sei ganz angetan gewesen. Immer auf der Suche nach neuen Objekten ließ er sich schließlich für die Schützenstraße 1 begeistern.

Eigentümer des Hauses ist die Coburger Wohnbau. Nach anfänglichen Bedenken stimmte der Aufsichtsrat dem Verkauf zu und der Investor konnte mit den Planungen beginnen.

"Die Ruine", wie sie Eidt nennt, steht unter Denkmalschutz. Deshalb musste eine ganze Reihe von Auflagen erfüllt werden. Beispielsweise sollte der halboffene Dachboden - da wurden früher die Leder zum Trocknen aufgehängt - nicht als Wohnraum umgebaut werden, erzählt Eidt. Auch Balkone waren zunächst nicht gewünscht. Doch mittlerweile sei man sich darüber einig. Fünf Gutachten wurden im vergangenen Jahr erstellt. Der Bauantrag liegt in einer neuen Fassung im Stadtbauamt vor.

Der Investor sitzt in den Startlöchern und hofft, dass er noch in diesem Jahr mit dem Umbau beginnen kann. Eigentlich hätte er schon gern 2020 angefangen, doch aufgrund der Einwände des Denkmalschutzes habe sich alles verzögert. Das sei ja alles noch verständlich gewesen, sagt Eidt, doch jetzt reiße ihm langsam der Geduldsfaden. Jede Woche telefoniert er mit dem Bauamt und fragt nach, wann denn mit der Genehmigung zu rechnen sei. "Das Haus gammelt weiter vor sich hin, und wenn die Genehmigung nicht zügig kommt, stellt sich die Frage, ob das Dach heuer noch gemacht werden kann", gibt der Stadtbild-Vorsitzende zu bedenken und zeigt Bilder, auf denen Schnee im Dachboden liegt.

Was Eidt an diesem Fall besonders ärgert, ist die Tatsache, dass er für dieses marode Gebäude, das sehr aufwendig renoviert werden muss, einen Investor gefunden hat, der voller Tatendrang ist, dem aber immer wieder Steine in den Weg gelegt werden.

Verständnis für die Ungeduld zeigt Stadtbauamtsleiter Karl Bayer. Es seien viele Details zu klären gewesen. Jetzt ginge es nur noch um Kleinigkeiten. Bayer rechnet damit, dass der Antrag innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen genehmigt wird.

Heikel sei noch der Stellplatznachweis, der erbracht werden müsste. Acht neue Studentenwohnungen sollen entstehen, dafür müssen zusätzlich zu den vorhandenen noch ein oder zwei Parkplätze nachgewiesen oder "schlimmstenfalls", wie Bayer sagt, abgelöst werden.

Mit Genehmigung des Grünflächenamtes durfte die große Fichte vorm Haus bereits gefällt werden. Derzeit werde noch wegen der Außenanlagen diskutiert. Der Platz vorm Haus, der auch beim Frühlingsfest und beim Vogelschießen mit einbezogen wird, soll hergerichtet werden. Nach der bayerischen Bauordnung müsste im Rahmen der Sanierung auch ein Spielgerät beziehungsweise ein kleiner Spielplatz gebaut werden, so Bayer. Doch auch da sei man kompromissbereit - zumal diese Investition für Studenten nicht maßgeblich sei. Man überlege, darauf hinzuweisen, dass ja am Albertsplatz und gegebenenfalls auch am Salvatorfriedhof in unmittelbarer Umgebung Spielgeräte zur Verfügung stehen.