Vor 467 Jahren erlebte Kulmbach die wohl schwärzeste Stunde seiner Geschichte. Alljährlich seit 1928 gedenkt der Verein Freunde der Plassenburg der Zerstörung der Stadt und erinnert an den Tod vieler Einwohner und Soldaten während des Zweiten Markgrafenkriegs. Seit 15 Jahren wird das Gedenken öffentlich bei abendlichen Stadt- und Museumsführungen, Vorträgen sowie einem gemeinsamen Gebet in der Altstadt mit oft mehr als 100 Gästen feierlich begangen. Wegen der Corona-Pandemie muss das am Donnerstag geplante gemeinsame Gedenken im öffentlichen Raum abgesagt werden.

Die Freunde der Plassenburg wollen stattdessen ab dem 26. November online an das einschneidende und bis heute nachwirkende Ereignis erinnern. Namensgebend für den Konraditag war die seit dem Mittelalter vorherrschende Sitte, Tage nach Heiligen zu benennen. Der 26. November war dem 975 verstorbenen heiligen Bischof Konrad von Konstanz gewidmet.

Grund für den Angriff auf Kulmbach waren die Kriegszüge des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach, der ab 1552 nacheinander die Bischöfe von Bamberg und Würzburg, die Reichsstadt Nürnberg Johund weitere Nachbarn militärisch bedroht, von ihnen immense Geldzahlungen erpresst oder sie gar erobert hatte. Auch mit anderen Reichsfürsten sowie dem Böhmischen König lag er im Streit.

Der Krieg lief ab Juli 1553 und der Niederlage bei Sievershausen schlecht für den Markgrafen. Am Konraditag 1553, dem 26. November, war die seit einigen Tagen vor Kulmbach liegende Belagerungsarmee der Verbündeten nach langem Beschuss der Stadtmauern und dem Schlagen einer Bresche zum Angriff übergegangen.

Flucht ins "benachbarte Ausland"

Truppen der Reichsstände Bamberg, Nürnberg, Böhmen, Sachsen, Würzburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Mainz, Trier, Worms und Speyer stürmten in die weidwund geschossene Stadt. Deren Bewohner und verteidigende Soldaten flüchteten. Nur Kämpfer wurden in der Plassenburg aufgenommen, die Zivilisten mussten in die Wälder und das "benachbarte Ausland" - zum Beispiel nach Coburg - flüchten.

"Manche glauben, es trifft uns heute eine einzigartige und tief einschneidende Katastrophe, doch schon vor Jahrhunderten mussten die Menschen leiden. Krankheiten, Kriege und Naturkatastrophen trafen sie oft weit härter als uns heute", mahnt Vorsitzender Peter Weith. Im 16. Jahrhundert habe der Einzelne kaum etwas vorbeugend gegen diese Katastrophen tun können. Heute sei man da einen guten Schritt weiter.

Man wolle als Freunde der Plassenburg die derzeit geltenden Vorgaben einhalten und auf öffentliche Feiern verzichten. Es werde noch genügend Gelegenheiten für Gedenkveranstaltungen geben, so Weith. Er fordert die Kulmbacher Bürger auf, sich an das Ereignis zu erinnern und Lehren und vor allem auch Zuversichtlichkeit daraus zu ziehen. "Mit unseren Nachbarn in Europa leben wir heute in Frieden", sagt er. Dies sei ein großes Geschenk, das im Laufe der Jahrhunderte hart erarbeitet worden sei und unbedingt bewahrt werden müsse.

"Kriege kennen viele Deutsche nur noch aus den Nachrichten. Die Betroffenen in Syrien, Mali und Afghanistan erleben heute aber genau das, was uns Kulmbachern 1553 widerfuhr", mahnt Weith. Für die Freunde der Plassenburg sei das Gedenken an den Konraditag eine stete Mahnung, Frieden zu halten.

Neid und Intrigen

In vielen Staaten führe fehlerhafte Politik Einzelner, wie die des Markgrafen Albrecht Alcibiades dazu, dass deren Territorien und Bevölkerung Tod, Zerstörung und Instabilität erleiden müssten. Neid und Intrigen von Politikern oder Militärs wie damals des Meißener Burggrafen Heinrich IV. von Plauen auf Seiten der Gegner vertieften Konflikte. Heinrich IV. hatte übrigens nicht viel von seinen Erfolgen, er starb noch während der Belagerung der Plassenburg 1554 in Stadtsteinach. Weder er noch Albrecht Alibiades, Kaiser Karl V. oder Kurfürst Moritz von Sachsen zogen einen Vorteil aus dem Zweiten Markgrafenkrieg. Der Kaiser resignierte 1555 und zog sich in ein Kloster nach Spanien zurück, Moritz starb nach einer Feldschlacht gegen Markgraf Albrecht.

Weitere Infos gibt es ab Donnerstag unter www.freunde-der-plassenburg.de. peil