"Ist die Tschechische Republik ein verlässlicher Partner innerhalb der Europäischen Union und vor allem ein interessanter Wirtschaftspartner für bayerische Unternehmen?", lautete die Frage in der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. Dorthin hatte Christa Matschl, frühere Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Europa-Union, eingeladen und viele Gäste kamen.

Hans-Peter Schmidt, Honorarkonsul der Tschechischen Republik und Vorsitzender des Kuratoriums Europäische Metropolregion Nürnberg, sowie Bernard Bauer, Geschäftsführen-des Vorstandsmitglied der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (AHK) Prag, nahmen sich des Themas an.

Schmidt brach nicht nur eine Lanze für die bayerisch-tschechischen Beziehungen, sondern auch für Europa. Er wies darauf hin, dass auch Russland und die Türkei ("Die ist nicht nur Erdogan") nicht vernachlässigt werden dürften.

Auch auf die Bedeutung der Metropolregion Nürnberg kam er zu sprechen mit dem wichtigsten Autobahnkreuz Europas (A 3). Er vergaß nicht, die Bedeutung der Zuwanderung zu erwähnen, die helfe, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Hauptreferent Bernard Bauer hob hervor, dass die Tschechische Republik mit ihren 10,6 Millionen Einwohnern ein attraktiver Standort und außerdem für viele ausländische Un-ternehmen "das Tor nach Europa" sei. Dabei habe das Land die höchste Investionsquote in der EU und sei beim Außenhandel absolut spitze. Schon lange sei es "keine verlängerte Werkbank des Westens mehr". 2019 wird mit einem Lohnzuwachs von 7,6 Prozent gerechnet.

Wirtschaftsmotor sei nach wie vor die Automobilindustrie, in der sich aber ein großer Wandel abzeichne. Maschinenbau, Digitalisierung usw. sind weitere Schwerpunkte. Bauer sprach von einer deutsch-tschechischen Erfolgsgeschichte - Tschechien ist der zehntwichtigste Handelspartner Deutschlands mit einem Handelsvolumen von 92 Milliarden Euro. Davon entfallen auf Bayern allein 21,6 Milliarden Euro. Die USA bringen es da nur auf ein Drittel der bayerischen Warenstruktur. Bedeutsam ist auch, dass das Land auf nationale Strategien zur Förderung der künstlichen Intelligenz setze.

Neben Tops, wie der EU-Mitgliedschaft, Zahlungsdisziplin, Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer gebe es natürlich auch Flops, als da seien das Steuersystem und die -behörden, mangelnde Transparenz der öffentlichen Vergaben oder auch die Mängel beim Berufsbildungssystem.

Nichtsdestotrotz hätten sich viele bayerische Firmen in Tschechien angesiedelt: MAN, Brose, Allianz, Kuka, Siemens, BMW, Grammer, Schmelzer, Geis und jetzt auch Schaeffler aus Herzogenaurach. Tschechien sei das "Land der Zukunft", auch wenn man an der Krone als Zahlungsmittel festhalte. Den Euro nämlich, so Bauer, würden die Leute nicht akzeptieren. red