Susanne Deuerling

Fragt man in Wallenfels nach, wo sich der Betsaal der evangelischen Kirchengemeinde befindet, werden die meisten Befragten sagen: schon immer im "Kulti". Schon immer? Nein, aber immerhin seit 16 287 Tagen, seit dem 9. Mai 1976, als er mit zahlreichen Ehrengästen eingeweiht wurde. All das ist seit dem vergangenen Sonntag Vergangenheit, denn nach einem Entwidmungsgottesdienst wurde diese Gebetsstätte nun offiziell verlassen.

Etwas Wehmut schwang in den Worten von Pfarrer Christoph Teille mit, der in Vertretung des erkrankten zuständigen Pfarrers Andreas Krauter den Gottesdienst leitete. In seiner Predigt ging er auf den Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 8 und 14, ein: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." Und: "Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Das passte gut zu dem Entwidmungsgottesdienst, der auch ein Ende und ein Anfang war.

Pfarrer Christoph Teille betonte, dass Christus doch immer unter den Menschen sein werde, auch wenn die Gegenwart und Zukunft schwer seien. Im Leben solle man immer das himmlische Ziel im Blick haben. Und deshalb seien alle Gotteshäuser auf den neuen Himmel und die neue Erde ausgerichtet, auf der Suche nach dem himmlischen Jerusalem. Und das alles immer in der Gewissheit, nicht allein zu sein. Das kam auch im Predigtlied "Vertraut den neuen Wegen" zum Ausdruck, das wegen der Corona-Beschränkungen nicht gesungen, sondern nur mit der Orgel gespielt werden konnte.

In den Fürbitten wurde ebenfalls klar, dass man nicht ins Ungewisse gehen werde, denn man gehe nicht allein, Gott begleite die Scheidenden auf diesem Weg. Er lasse die Erinnerung bewahren und schenke Mut, neue Wege zu gehen.

Auszug der wichtigsten Dinge

Dem gemeinsamen Vaterunser folgte der Auszug der wichtigsten Gegenstände aus dem gottesdienstlichen Raum: der Taufkerze, damit Gott mit seinem Licht auf dem Weg zu seinem Reich vorangehe, des Buches aller Bücher, des Evangeliums, mit der Bitte, dass Gott immer in ihrer Mitte bleiben möge, und des Abendmahltisches, des Kelches und der Schale, damit Gott auch weiterhin mit seinen Gaben die Gläubigen stärke.

Diese Insignien werden in der neuen Heimat, der Kapelle im Caritas -Alten- und Seniorenheim St. Elisabeth, einen neuen Platz finden, genau wie die evangelischen Christen aus Wallenfels. Hier in der barrierefrei erreichbaren Kapelle können nun mehr Gläubige am Gottesdienst teilnehmen, vor allem auch die Bewohner des Altenheims.

Geschichte der Kirchengemeinde

Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Wallenfels. Bereits 1848 wurden drei evangelische Christen registriert, die der Pfarrei Unterrodach angegliedert wurden. In der Stadt waren sie stets eine absolute Minderheit. Erst durch die Flüchtlinge, die im und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wallenfels kamen, stieg die Zahl der Evangelischen etwas an.

Nach verschiedenen Unterkünften des Betsaals wurde am 9. Mai 1976 schließlich ein Raum im umgebauten Kulturzentrum zur Verfügung gestellt. Damals war Peter Rothmund evangelischer Pfarrer. Ihm folgten Hans Martin Gloel, Eckhard Mattke und Dierk Griesbach. Seit 21. September 2014 ist nun Andreas Krauter Pfarrer in Unterrodach und auch für die Christen in Wallenfels zuständig. Unter seiner Leitung fanden Stadtviertelgottesdienste statt und die Ökumene wurde weiter ausgebaut.

Aktuell gibt es 209 evangelische Christen in der Stadt Wallenfels, die zwar eine Minderheit gegenüber den 2153 Katholiken darstellen, aber weiterhin hier eine gute Zukunft haben.

Auch das Mosaikfenster zieht um

Bürgermeister Jens Korn, der familienbedingt ein Kind der Ökumene war, zeigte seine enge Verbundenheit zur evangelischen Gemeinde. Das Jahr 1976 sei mit dem Umbau des Kurzentrums ein Umbruch in der Stadt gewesen. Hier habe es nun ein Restaurant, eine Kegelbahn, eine Bar, Veranstaltungsräume und sogar eine allseits beliebte Diskothek gegeben - und einen Platz für den christlichen Glauben. Es sei ein gutes Zeichen, dass in Wallenfels die weltliche und die kirchliche Gemeinde stets gut harmonieren.

Im langjährigen Betsaal gibt es ein rundes Mosaikfenster, dem bei einem Anbau das Tageslicht genommen wurde. Die Mesnerin Irmtrude Stöcker ließ nicht eher locker, bis die Stadt hier ein Licht hinter dem Fenster installiert hat. Und nun soll das farbige, herrlich gestaltete Fenster ebenfalls mit umziehen und in der Altenheimkapelle eine neue Heimat finden.

Und auch der entwidmete Betsaal wird künftig eine neue Nutzung erfahren: Der Raum wird von den Kindern und Jugendlichen der "Wallnfelse Fousanocht" genutzt werden.