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Fast 57 Kilometer Fahrstrecke, runde sieben Stunden und zehn Minuten Fahrzeit, 1244 zu überwindende Höhenmeter: Die "Brückenauer Runde" gehört sicher zu den anspruchsvollsten MTB-Routen im Landkreis, obwohl ihr Name harmlos klingt und sie an Orten vorbeiführt, die eher für Entspannen und Erholung stehen. Aber es sind auch "Scharfrichter" dabei.

Die Rundtour startet "ganz unten" im Sinntal, am Deutschen Fahrradmuseum in der Villa Füglein im malerischen Staatsbad Brückenau. Doch dann beginnt schon die erste Herausforderung: Nach einem kurzen Stück über öffentliche Straßen und den Bahnradweg geht es steil hinauf in den Römershager Forst-Süd und zum Dreistelz. Immerhin 600 über Null misst der wohl südwestlichste Berg der Rhön. Fast 400 Höhenmeter sind vom Staatsbad zum Dreistelz zu überwinden.

Und nochmal 20, wenn der Mountainbiker zum Aussichtsturm auf dem Dreistelz-Rücken vordringen möchte. Der Blick von dort übers Sinntal hin zur Rhön und in die andere Richtung zum Spessart lohnt sich. Die Autoren der Streckenbeschreibung nennen den Aufstieg insgesamt "einen der längsten und schönsten, aber auch fordernsten Trails der Rhön".

Die Abfahrt führt dann über die Oberleichtersbacher Ortsteile Dreistelz und Buchrasen in den Kalkgrund mit dem Röllbach, ehe sich die Route oberhalb von Bad Brückenau am Hang unterhalb des Pilsterwaldes Richtung Römershag entlangschlängelt. Ab dem Ort folgt sie im Tal dem Mühlrainweg, ehe sie beim Röderhof die Sinntalbrücke der A 7 unterquert.

Lange und Große Steine

Bei Riedenberg geht es wieder steil bergan Richtung Truppenübungsplatz Wildflecken, dessen Gebiet kurz gestreift wird. Die innerhalb liegenden Höhen und abgesiedelten früheren Ortschaften bleiben dem MTBler leider verborgen, nicht aber die Großen und die Langen Steine - geologische Launen der Natur.

Ein paar Schritte den Hang hinauf und der Besucher steht mitten zwischen den riesigen Sandsteinen, die wahllos verstreut im Wald herumliegen ("Große Steine"). Etwas leichter vom Weg aus erreichbar sind die Langen Steine, Buntsandgestein, das in der Zeit des Trias vor rund 245 Millionen Jahren entstanden ist. Es und der Muschelkalk prägen die Rhön. Erst der Vulkanismus verwandelte sie einige Millionen Jahre später im Tertiär in ein Gebirge.

Die Mountainbike-Rundtour Nummer 9 führt dann bergab auf einem nicht ganz so schönen, weil lauten Stück durch den Wald Richtung Autobahn, dann wieder bergan an die Grenzen des 1938 errichteten Truppenübungsplatzes.

Nach einigen Schlenkern unterquert die Route die Römershager Talbrücke, um den Ort und Bad Brückenau nördlich zu überflügeln.

Der folgende Weg parallel zur B286 steigt danach langsam, aber stetig an. Nach dem Überqueren der Bundesstraße wartet das letzte steile Stück: die Auffahrt zum ehemaligen Kloster auf dem Volkersberg. "Neben Gastronomie, einer Jugendbildungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten und der Klosterkirche findet man hier auch einen Hochseilgarten", schreiben die Strecken-Schöpfer.

Abstecher in hessisches Gebiet

Eine weitere Besonderheit der "Brückenauer Runde": Sie führt auch ins Hessische. Und zwar, nachdem der Ausgangspunkt Staatsbad im Tal nach einigen weiteren Kilometern rund um Volkers und oberhalb von Bad Brückenau fast wieder erreicht ist.

Oberhalb der Hartwald-Klinik schwenkt sie in Richtung Züntersbach, passiert beim Naturdenkmal "Läuseiche" die bayerisch-hessische Landesgrenze. Danach führt die Strecke über Flurwege zur Unteren Mühle Züntersbach, wo sie dem Tal des Schluppbachs nach Eckarts folgt. Von dort gelangt der Mountainbiker im Tal zum Ausgangspunkt, dem Fahrradmuseum im Staatsbad zurück.

Fazit: Die "Brückenauer Runde" ist eine gerade in den Anfangsabschnitten herausfordernde Tour, die viel Natur und wenig menschliche Besiedelung bietet. Nur die autobahnnahen Abschnitte dürften nicht jedem gefallen. Gerade die ersten Kilometer zum Dreistelz hinauf und von ihm hinunter gleichen denen der Rundtour 1 "Dreistelz - Bad Brückenau - Rhön". Was nicht bedeutet, dass es sich nicht lohnt, die Strecke Nummer 9 zu fahren.

Übrigens: Im Juni 2021 wurde südlich des Dreistelz-Berges der MTB-Rundweg 7, die "Hegkopfrunde" ausgeschildert. Er beginnt an der Aspenmühle bei Unterleichtersbach, führt dann das Schondratal hinunter bis zur Sippachsmühle und zurück durch den Neuwirtshauser Forst nach Schönderling. Nach einem Abstecher von dort zum Hegkopfsee geht es wiederum nach Schönderling und dann über Obergeiersnest zurück zur Aspenmühle. Diese durch nicht allzu große Steigungen geprägte Runde umfasst 28 Kilometer und dauert etwa drei Stunden. Laut Landratsamt kommen noch in diesem Jahr zwei MTB-Strecken zu den bestehenden hinzu. Einen genauen Zeitpunkt, wann sie ausgeschildert werden, könne man nicht nennen. Geplant sei unter anderem eine sogenannte Trias-Tour.