Das Herz einer Frau hatte aufgehört zu schlagen. Irgendwo in Deutschland. In ihrer Wohnung fand man waschkörbeweise Tagebücher. Sie künden davon, dass in ihrer Seele sechs verschiedene Identitäten wohnten. Und keiner hatte es bemerkt.

Udo Langer machte aus der wahren Begebenheit ein facettenreiches Konzeptalbum. "A. Die Geschichte der sechs Leben" heißt es und handelt von einer extremen Persönlichkeitsspaltung. Mit dem nicht alltäglichen Sujet begeisterte der Burgkunstadter Liedermacher, Musicalkomponist und Rockpoet die Jury des 39. Deutschen Rock- und Pop-Preises. Dem Künstler flatterten um den Jahreswechsel acht Auszeichnungen in den Briefkasten, darunter die für das beste deutschsprachige Album.

Seine Tochter Una, die in Kulmbach wohnt und auf dem Album den Song "Besonders" singt, wurde zur besten alternative Sängerin gekürt. Das von der Mainrother Sängerin Nadja Jaye interpretierte Stück "Freunschaft" wählten die Experten zum besten Schlager. Für den Schöpfer des ambitionierten Werks ist der eigentliche Gewinner die Frau, in deren Seele sechs "zersplitterte Gefährten" wohnten, wie Una voller Inbrunst in dem Lied "Wir waren sechs" singt. "A., wie ich die Protagonistin meines Albums mit Rücksicht auf ihre Verwandtschaft genannt habe, erfährt posthum die Würdigung, Aufmerksamkeit und Nähe, nach der sie ein Leben lang gesucht hat", sagt Langer.

Nach Ansicht des Musikers habe das Thema bei der Jury für einen gewissen Aha-Effekt gesorgt. Wenn man so will, war es neben der exzellenten Musik und den tiefgründigen Texten der Türöffner zum Erfolg. Und A.? Sie ist für Langer die Initiatorin der acht Preise. Die bescherte auch seiner Tochter Una eine Auszeichnung. Was macht es mit einem innerlich als Sängerin, in eine solch komplexe Rolle schlüpfen zu dürfen? "Nichts. Andernfalls wäre diese Rolle nicht gesund", findet Una Langer. Die Kulmbacherin weiß, dass jeder Mensch verschiedene Ausprägungen hat. Dennoch könne niemand nachspüren, wie es sei, viele verschiedene Persönlichkeiten in sich zu tragen. Seelische Leiden sind oftmals ein Tabu. Una Langer findet es daher wichtig und gut, dass das Thema den Menschen nähergebracht werde. Schließlich gebe es viele Frauen und Männer, die an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung leiden. Una Langer bedauert es, dass solche Erkrankungen in unserer Gesellschaft noch immer nicht komplett akzeptiert seien.

Viel Herzblut

Nadja Jaye verkörpert in dem Lied "Freundschaft" die Rolle der besten Freundin von A. Eine Rolle, die ihr viel abverlangt hat, sich aber auch positiv auf ihre Interpretation auswirkte. "Das Besungene wühlt einen ziemlich auf, weil man es auf sich selbst überträgt. Man macht sich Gedanken. Was wäre, wenn man plötzlich eine der besten Freundinnen verlieren würde?" Das habe es aber auch einfacher gemacht, das Lied gut rüberzubringen. Ein Jahr lang hatte Udo Langer sein ganzes Herzblut in die Produktion des neuen Albums gesteckt. Umso größer ist die Freude über den achtfachen Erfolg. Doch der umtriebige Künstler hat den Blick bereits wieder nach vorne gerichtet. Am 5. Juni gibt es auf der Naturbühne von Trebgast ein ganz besonderes Konzert. Langer wird nicht nur seine preisgekrönten Songs mit seiner Band "Klangfeder" spielen, sondern auch altbekannte Weisen in neuem Klanggewand. "Viele meiner Songs haben klassische Anwandlungen. Da kam mir die Idee, sie mit einem Chor und einem Bläserensemble voraussichtlich aus dem Landkreis Kulmbach aufzuführen. Das gibt meinen Kompositionen mehr Tiefe", verrät der Musiker.