Mailach — Es war der 20. Januar 1982, als sich das Leben von Georg Stirnweiß schlagartig änderte. "Es war sehr starker Nebel", blickt er zurück, ein Grund für seinen Autounfall an diesem Tag. Der Unfall war so schwer, dass der Mailacher seitdem im Rollstuhl sitzt. Doch Stirnweiß lebt nach dem Motto: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!" Und so hat er sich mit seinem Handicap abgefunden, versucht das Beste daraus zu machen.

"In den letzten 15 Jahren sind leichte Verbesserungen in der Barrierefreiheit zu verzeichnen", erklärt der Rentner. Doch von gut sei man noch weit entfernt. Nicht mehr als 50 Prozent der Gaststätten sind barrierefrei, schätzt Stirnweiß. Kopfsteinpflaster sei für Rollstuhlfahrer sehr schwer zu befahren - auch wenn er einen Elektro-Rollstuhl besitzt. Mit dem ist Stirnweiß schneller unterwegs und mobiler als mit einem herkömmlichen. Doch auch mit dem E-Rollstuhl lebt er gefährlich. Schon lange fordert er einen gut ausgebauten Fahrradweg von Mailach nach Lonnerstadt - doch eine Grundstückseigentümerin stelle sich laut Stirnweiß quer.

Und so fährt er mit seinem 15 km/h schnellen E-Rollstuhl auf der B 470. Das allerdings ist mitunter richtig gefährlich. Überholt ein Auto des Gegenverkehrs, wird es schnell eng. Georg Stirnweiß fährt dann aufs Bankett, teilweise seien die Bankette aber zehn Zentimeter tiefer als die Straße. Ein Abstieg, der zu tief ist. "Das ist hart, Adrenalin pur", sagt der Rentner. Einmal ist er in den Graben hineingefahren, ein Autofahrer hat ihm dann wieder herausgeholfen. Passiert ist Stirnweiß zum Glück nichts Schlimmeres.

Das, was aber in der letzten Zeit in und rund um Höchstadt gebaut wurde, empfindet der ehemalige Lonnerstadter Gemeinderat meist als eine Verbesserung. Die Aischbrücke zum Beispiel sei nun gut zu befahren für Rollstuhlfahrer. Er ist Mitglied des Vereins "Barrierefreies Miteinander im Landkreis ERH". Dort setzen sich er und seine Mitstreiter dafür ein, dass zukünftig barrierefreier gebaut wird und vorhanden Bauten für Rollstuhlfahrer besser zugänglich gemacht werden. So sind unebene und kaputte Straßen nicht nur ein Ärgernis für Auto-, sondern auch für Rollstuhlfahrer. Rund um den Karpfenkreisel gäbe es laut Stirnweiß so tiefe Spurrillen, dass ein Befahren für ihn schwer ist. Doch Georg Stirnweiß bleibt weiter "tiefenentspannt". Das ist nämlich sein zweiter Vorname, wie er selbst sagt.