Sigismund von Dobschütz Der im Januar bei Ullstein erschienene Roman "Wolves - Die Jagd beginnt" ist ein lesenswerter Thriller. Und doch: Wer erst jetzt mit diesem bereits dritten Band in die New-Scotland-Yard-Thrillerreihe des britischen Schriftstellers Daniel Cole (37) einsteigt, wird Mühe haben, das mehr oder minder enge Verhältnis der vielen Protagonisten zu durchschauen und ihr Handeln zu verstehen. Denn zu oft setzt Cole genaue Vorkenntnisse aus seinen vorangegangenen Romanen "Ragdoll - Dein letzter Tag (2017) und "Hangman - Das Spiel des Mörders" (2018) voraus. Andererseits zwingt gerade diese Tatsache alle Neueinsteiger zu erhöhter Aufmerksamkeit und sorgt zugleich für zusätzliche Spannung und Erwartung, der Antwort anfangs noch offener Fragen und der Lösung dieses Mordfalles endlich näher zu kommen.

So ist beim ersten Erscheinen des früheren Detectives William Oliver Layton-Fawkes, nach seinen Initialen "Wolf" genannt, völlig unverständlich, warum er viele Monate untergetaucht war und noch immer von der Polizei gesucht wird. Trotz der ihm drohenden Festnahme sieht er sich nur deshalb zum Auftauchen gezwungen, weil sein väterlicher Freund, der pensionierte Polizist Finlay Shaw, angeblich Selbstmord begangen hat. Darauf deuten zumindest die Indizien, weshalb der Fall bereits abgeschlossen ist.

Kein Grund für Selbstmord

Doch William Fawkes ist überzeugt, Shaw hätte niemals seine krebskranke Ehefrau Maggie nach Jahrzehnten glücklicher Ehe allein zurückgelassen. Außerdem sind Gründe für einen Selbstmord nicht erkennbar, nicht einmal ein Abschiedsbrief wurde gefunden. Gemeinsam mit seiner früheren Kollegin Emily Baxter nimmt sich William "Wolf" Fawkes des Falles an und entdeckt schließlich, Finlays Tod könne mit jenem spektakulären Drogenfund vor fast 40 Jahren in Verbindung stehen, durch den der damals noch junge Polizeianfänger zum Helden wurde.

Treffen mit alten Bekannten

Kenner dieser Thrillerreihe treffen in "Wolves" auf alte Bekannte aus den zwei ersten Bänden, deren Vielzahl es Neueinsteigern aber schwer macht, sie alle spontan auseinanderzuhalten oder einander richtig zuzuordnen. Es gehört schon Konzentration dazu, um das Miteinander oder Gegeneinander der Personen deuten zu können. Erst durch kapitelweise eingeschobene Rückblenden wird das Handeln der verschiedenen Charaktere allmählich verständlich und auch das Motiv für den "perfekten Mord" erkennbar.

Trotz aller inhaltlichen und personellen Verbindungen zu den Vorgängerbänden schildert "Wolves - Die Jagd beginnt" eine in sich abgeschlossene, plausibel aufgebaute Handlung, der es dank einer unterhaltsamen Mischung aus Spannung und Action, aus viel Humor, aber ebenso viel Ernsthaftem bis hin zu menschlicher Tragik an nichts fehlt.

Unerwartete Wendungen

Immer wieder schafft es Daniel Cole, uns durch unerwartete Wendungen auf neue Fährten zu locken. Vor allem im Finale des Buches gelingt ihm dies auf besondere Weise: Während andere Thriller üblicherweise mit dem Auffinden des Täters schließen, setzt Cole noch eins drauf und lässt seinen Roman erst mit einem überraschenden, für William "Wolf" Fawkes aber notwendigen Coup des gesamten Ermittler-Teams enden.

Dieser trotz anfangs genannter Kritikpunkte letztlich doch sehr spannende Thriller lebt durch seine klare Sprache, kurze Sätze und viele Dialoge, worin sich Cole als professioneller Drehbuchautor auskennt.

Gespickt mit viel schwarzem Humor und voller Sarkasmus hat der 37-jährige Bestseller-Autor zweifellos seinen ganz eigenen Schreibstil gefunden, der seine lesenswerte Thrillerreihe, die nicht ohne Grund bereits in 34 Ländern erscheint, wirklich zu etwas Besonderem macht.