Wenn der Dreijährigen vor lauter Freude Tränen in die Augen schießen, ahnt man sofort, welche große Belastung die vergangenen Wochen für sie bedeutet haben müssen. Sie konnte es gestern Mittag gar nicht glauben. Fragte dreimal nach: Wirklich Mama? Und tatsächlich konnte ich es selbst kaum glauben. Nach unzähligen Videocalls und hin und her geschickten Päckchen und Briefchen dürfen wir Oma und Opa heute endlich wieder sehen. Ganz in echt. Nicht auf dem Handydisplay. Wir dürfen wieder Spielplätze besuchen. Kitas und Schulen werden stufenweise geöffnet. Genauso wie Biergärten und Wirtschaften. Die Sehnsucht, besonders nach der Familie, hat uns in den letzten Tagen halb aufgefressen. So lange haben wir darauf gewartet. Jetzt ist es da: ein Stückchen Normalität. Unser "altes" Leben, so wie wir es kannten, kommt scheinbar langsam wieder zurück. Und es tut so unheimlich gut! Doch bevor sich dieses Rad jetzt wieder beginnt zu drehen, nehme ich mir jetzt gleich auf der Stelle etwas ganz Wichtiges vor. Bei allem Ernst der Lage, den Corona mit sich brachte, gesundheitlich und wirtschaftlich, so genervt wir auch manchmal waren, so sehr wir auch gelitten haben, eins sollten wir uns doch alle aus dieser Zeit mit ins neu zurückgewonnene Leben hinüber retten- die Entschleunigung. Ich erinnere mich, vor Corona - es ist gefühlt eine Ewigkeit her - hatten wir meistens kein einziges freies Wochenende. Freizeitstress. Nun haben wir doch oft einfach in den Tag hinein gelebt. Hatten den Kalender eben nicht voller Termine. Sind spontan in die Fränkische Schweiz gefahren. Hatten ganz viel Zeit füreinander. Mussten nicht von A nach B und am besten noch zu C und D hetzen. Stattdessen sind wir querfeldein durch Wiesen und Felder. Haben Steine und Stöcke gesammelt. Blumen gepflückt. Das Handy zuhause gelassen. Man muss eben in allen Dingen das Gute sehen. Und das haben wir doch alle gemacht. Lasst uns das beibehalten. Auch nach Corona.