Der Unicampus Kulmbach hat mit der Fakultät VII der Universität Bayreuth seinen Betrieb aufgenommen, die ersten Studierenden sind schon da, weitere Studiengänge sind in der Planung. Dass all dies möglich wurde, dafür sorgte Gründungsdekan Professor Stephan Clemens. "Wir sind ein sehr gutes Team, aber alle Fäden laufen bei mir zusammen", erklärt er.

Für ihn bedeutet das mehrere Baustellen, um die er sich kümmern muss: Lehre und Forschung voranbringen, Professoren rekrutieren, Campusplanung, Budgetentscheidungen. "Ich bin überall dabei."

Stephan Clemens wurde in Hamburg geboren, wuchs in Essen auf, studierte Biologie in Münster, wo er auch promovierte, und absolvierte einen Auslandsaufenthalt am Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie in Brighton in England. "Als Postdoc arbeitete ich dann in San Diego in den USA und kam schließlich nach einer Zwischenstation am Leibnizinstitut in Halle an der Saale an die Universität Bayreuth."

Eine Erfolgsgeschichte

Seit 2006 ist er dort tätig und war laut eigener Auskunft einem attraktiven Angebot an einer Universität mit gutem Ruf gefolgt. "Die Uni Bayreuth kann auf eine Erfolgsgeschichte in einem einst strukturschwachen Gebiet blicken."

Sein eigenes Forschungsinteresse gilt den Pflanzen als Lebensmittelgrundlage, "das treibt mich schon lange um". Als er schließlich das Angebot erhielt, die neue Fakultät in Kulmbach zu leiten, sagte er zu.

Heute lebt Professor Clemens mit seiner Frau und drei Kindern in Bayreuth. "Bayreuth ist zu unserer neuen Heimat geworden", sagt er, und sieht die Wagnerstadt als ein sicheres Umfeld für Teenager. Allmorgendlich fährt der Gründungsdekan mit dem Zug zu seiner Arbeitsstätte nach Kulmbach und abends mit dem Fahrrad zurück nach Bayreuth.

"Ich glaube, ich bin noch nie in meinem Leben regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit gefahren." Auch in seiner Freizeit nimmt das Radfahren großen Raum ein, will er doch so bald wie möglich mit dem Rennrad ein Stück der Tour-de-France-Strecke abfahren, wenngleich er auch gerne läuft, und das auch im Wettkampf.

Gemeinsam über die Ziellinie

"Mit Familienmitgliedern laufe ich regelmäßig Halbmarathons, das hat sich zu einem tollen Gemeinschaftsevent entwickelt", verrät Stephan Clemens. "Dabei laufen wir auch häufig gemeinsam über die Ziellinie."

Wenn nicht gerade Corona-Pandemie ist, ist der Bonner Triathlon im Juli ein Höhepunkt für seine Familie, "dort treffen sich dann zwölf Familienmitglieder".

Zu den weiteren Interessen des Gründungsdekans gehört es, auch mal etwas Nichtberufliches zu lesen, und er begeistert sich für Fußball, jedoch spiele er seit vier bis fünf Jahren nicht mehr aktiv. "Auch das Wandern macht viel Freude, und dafür eignet sich Oberfranken total super!" Kulturell vermisst der Wahloberfranke nichts, ab und zu nutzt er auch gerne das Nahverkehrsticket und fährt zu Veranstaltungen nach Nürnberg. "Wenn ich in München wohnen würde, bräuchte ich vermutlich genauso lange, um zu einem Konzert oder einem Theater zu kommen."

Am neuen Kulmbacher Unicampus weiß er die spannenden Aufgaben und die Arbeit in einem tollen Team zu schätzen. "Als Student suchte ich immer nach einem interdisziplinären Angebot, das habe ich stets vermisst." Den neuen Campus aufzubauen sei eine Riesenaufgabe, aber er habe das Gefühl, hier einbringen zu können, was ihm wichtig sei. Er sei immer ein politischer Mensch gewesen, und ein gewisser Aspekt stecke auch in seiner neuen Aufgabe. "Wir bewegen uns in einem politischen Umfeld. Wir müssen kommunizieren, überzeugen, mitnehmen und bewegen - und das im größeren Kontext", sagt der 57-jährige Gründungsdekan.

Darüber hinaus habe er immer die Naturwissenschaften verstehen wollen. "Und da erschien mir die Biologie die richtige Wahl zu sein." Es gelte, sich mit der Frage zu beschäftigen: Wie gehen wir mit den globalen Herausforderungen um?

Internationale Talente im Blick

Hier will Stephan Clemens etwas bewegen und sagt: "Die deutschen Unis sind stark in der Forschung, aber wir sind auch lethargisch. In den USA können Dinge viel schneller wachsen. Wir sind auf einem super Niveau, müssen aber versuchen, internationaler zu werden." Deswegen setzt die neue Kulmbacher Fakultät alles daran, internationale Talente anzuziehen und aufzubauen.