Michael Busch Es gibt bessere Zeiten, einen Umzug durchzuführen. Pascal Baumüller steht in Herzogenaurach und schaut auf den neuen Firmensitz. "Als ich mich entscheiden habe, dass wir uns vergrößern müssen und einen anderen Standort suchen, haben wir an Corona noch nicht gedacht." Nach intensiver Suche, habe er bei dem Angebot in Herzogenaurach einfach zugegriffen.

Der Grund für den Gesellschafter und Geschäftsführer liegt auf der Hand: "Bisher sind wir mit dem Sitz der Wittmann und Kollegen GmbH in Ansbach. Etwa 70 Prozent unserer Kunden sitzen allerdings im Raum um Herzogenaurach." Also hin zum Kunden, so einer der Hauptgedanken des Umzuges. Das Beratungshaus konzentriert sich in der Kernaufgabe darauf, die betrieblichen Versorgungswerke zu konzeptionieren.

"Da sehe ich natürlich eine große Chance in Herzogenaurach. Hier gibt es viele mittelständische Unternehmen, mit denen wir in Kontakt treten werden." Baumüller ist optimistisch. Er sieht aber auch Vorteile in der momentanen Krise. "Homeoffice ist bei unseren Mitarbeitern plötzlich kein negativ besetztes Thema mehr." Ein wichtiger Aspekt, denn es sind elf Mitarbeiter, die aus Ansbach mitumziehen. Einfach sind das gut 50 Kilometer, über die Autobahn, bei freier Strecke die schnellere Variante, sogar fast 90 Kilometer.

Pascal Baumüller ist froh, dass er daher das Arbeiten von Zuhause aus anbieten kann. Sicher eine neue Möglichkeit bei dem Unternehmen, das er im Juli 2019 zusammen mit der Innovativen Finanzberatung in Heßdorf übernommen hat. Diese widmet sich der privaten Versorgung im Bereich der Altersvorsorge.

Vergrößern auf dem Plan

Die Synergien sind klar: die beiden Firmen geben die Möglichkeiten einer umfassenderen Beratung von Unternehmen und deren Mitarbeitern. Apropos Heßdorf: die dortige innovative Finanzberatung, eine Handelsvertretung, bleibt mit seinen zehn Leuten erst einmal in Heßdorf. "Der Standort bleibt momentan erst einmal, aber auch dort wollen wir uns vergrößern", erklärt Baumüller. "Wir haben schon jetzt mit diversen Gemeinden gesprochen, auch mit Herzogenaurach." Nun werden die Bedingungen entscheiden, wie, vor allem wo es weitergeht. Es gibt insgesamt drei Anfragen, die noch beantwortet werden müssen. "Heßdorf ist leider raus, es gab keinen adäquaten Raum", bedauert Baumüller. Denn gerne wäre er dort geblieben. "Ich bin dann doch sehr heimatverbunden." Es ist nicht nur die Firma, die ihn mit Heßdorf verbindet, er selber wohnte dort lange Zeit. Er war dort auch ehrenamtlich aktiv, unter anderem in der freiwilligen Feuerwehr. "Bisher konnte ich auch tagsüber zu Einsätzen, das wird wohl wegfallen", sagt er. Denn in Zukunft wird er mehr Zeit in der Gustav-Hertz-Straße verbringen.

Ansbach im Rücken

Der Bau im Gewerbegebiet-Nord steht kurz vor der Fertigstellung. "Für den Juli planen wir den Einzug." Die Idee des Umzuges selber sei recht früh entstanden. "Wir haben die Firma schon übernommen mit der Vorstellung des Wachstums." Es gab zwar nie den Plan von Ansbach wegzugehen, aber die Angebote in und um Ansbach machten es letztlich nötig, sich auch vom mittelfränkischen Regierungssitz wegzubewegen.

Dazu hätte eben auch ein repräsentatives Gebäude gehört. "Wir wollten nicht in einen Sanierungsfall einziehen", betont der Geschäftsführer. In dem Neubau gibt es nach Fertigstellung eine Klimaanlage, einen Außenbereich, entsprechende Büros, die ein angenehmes Arbeiten ermöglichen sollen. 250 Quadratmeter - "Das Doppelte im Verhältnis zu Ansbach" - stehen der Firma nun zur Verfügung.

Optimismus in der Krise

Dennoch bleite Corona nicht ganz außen vor. "Klar birgt es ein gewisses Risiko, jetzt einen Mietvertrag für zehn Jahre zu unterschreiben. Aber jede unternehmerische Entscheidung trägt irgendwo ein Risiko." Nach seiner Ansicht gibt es eben auch eine Zeit nach der Krise. Baumüller ist davon überzeugt, dass es wichtig sei, wie man ein Projekt angehe. "Wir haben Arbeit, wir haben keine Kurzarbeit angemeldet", erklärt er. Und fügt hinzu: "Ich geh da optimistisch hinein."

Was auch daran liegen kann, dass bereits der Erwerb der Firma nicht einfach gewesen sei, in der Folge aber bereits ein Jahr später sich deutlich weiterentwickele.

Abgesehen davon sei die betriebliche Altersvorsorge ein Dauerthema: auch mit Corona.