von unserem Mitarbeiter bernd brückner

Coburg — Bis zur ersten Planung dauert es 20 Jahre - doch dann ging alles ganz schnell: Gerade mal zehn Monate nach Abriss der alten Kindertagesstätte in Beiersdorf konnte jetzt die evangelische Kirchgemeinde St. Matthäus den Neubau einweihen. "Kinder gehören zum Leben dazu, daher müssen wir uns für Kinder einsetzen", forderte Pfarrerin Margit Glöckner-Wenk. Der 1971 eingeweihte Altbau sei zu eng und "zu ideal für Mäuse" gewesen, erinnerte sie an die Mängel. Die erste Planung sah einen Neubau auf der Sommerwiese vor. "Wie verhext" scheiterte der zweite Anlauf an der Teuerung. Schließlich planten Fachleute und Architekt den Neubau am alten Standort im Akazienweg.

Alle Vereine haben mitgeholfen

Für die Kinder war "die Reise über die Straße" in die Alte Schule ein Abenteuer, berichtete die Pfarrerin von der Bauphase. Sie dankte den Beiersdorfer Vereinen, die ihre Räume in der Alten Schule der Kita zur Verfügung stellten und selbst in Ersatzräume zogen: "Viele Menschen haben dazu beigetragen", dass der Umzug der Vereine und der Kita bewältigt werden konnte. Nun fühlten sich die Kinder "fast wie im Paradies".
Kita-Leiterin Astrid Schmidt betreut mit fünf Mitarbeiterinnen derzeit zwölf Kinder unter drei Jahre sowie 24 Kinder in einer Kindergartengruppe. Hinzu kommen zwölf Schulkinder in der Mittagsbetreuung. Das Gebäude verfügt auch über einen Mehrzweckraum, in dem die monatlichen Gottesdienste der Kirchgemeinde stattfinden.
Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) kannte die Mängel des Altbaus noch aus der Zeit, als seine beiden Töchter die Kita besuchten. "Vieles ist nicht optimal verlaufen", gestand er Probleme bei der Planung ein. Anerkennung zollte er den Mitarbeiterinnen der Kita und den Vereinen für ihr Mitwirken in der Bauzeit. Er hob die Bedeutung von Kitas hervor: "In den ersten sechs Lebensjahren bekommt ein Mensch seinen Lebenskompass!" Diese Jahre seien für die Bildungsbiografie die wichtigsten. Was hier versäumt werde, könne nie wieder nachgeholt werden.
Lutz Langenstein freute sich als Vertreter der Gesamtkirchenverwaltung (GKV) über die "effiziente Kostenkontrolle". So gelang es, den Kostenrahmen von "etwas über einer Million Euro exakt einzuhalten". Zur Finanzierung trugen neben der Kirchgemeinde noch die Stadt Coburg, die Regierung von Oberfranken, die Landeskirche sowie die GKV bei.
Architekt Christoph Gatz beschrieb den Neubau als "rundum offenes und freundliches Haus". Markant: der Vorplatz vor dem Eingang. Dessen Überdachung zieht sich am gesamten Gebäude entlang und dient dort zugleich als Sonnenschutz.
"Als gute Investition in die Zukunft" bezeichnete Klaus Sauerteig vom Bürgerverein den Neubau. "Nachdem die Nachbarn den Baulärm ertragen haben, dürfen sie sich nun wieder an den süßen Klängen der Kinder erfreuen", sagte Matthias Emmer vom Kirchenvorstand.
Die Einweihung umrahmte die Kirchenband St. Matthew Music Ministry unter der Leitung von Arno Seifert. Die VR-Bank Coburg übergab eine Spende über 250 Euro.