Im 20. Jahrhundert geriet die einst so bedeutende Flößerei im Frankenwald aus unterschiedlichen Gründen zusehends in eine wirtschaftliche Schieflage und letztendlich in die Bedeutungslosigkeit. Die letzte gewerbliche Floßfahrt im Frankenwald erfolgte von der Grümpel bis nach Friesen am 24. April 1958, also vor 60 Jahren.
Schon mehrere Tage vor diesem Datum herrschte im sonst so stillen Grund bei Effelter reges Leben. Vom Wind und Wetter gezeichnete Männer brachten die Baumstämme an den Stauteich, und am Donnerstag in der Frühe begann das Zusammenzimmern der zehn Kuppeln.
Während die zehn Flößer früher die 15 Kilometer zum Lagerplatz hätten laufen müssen, wurden sie nun von einem Schlepper mit Anhänger hintransportiert. In der Grümpel hatte der April nochmals Frost gebracht und die Wiesen waren weiß vom Reif. Der "Matza-Gorche" (Georg Geiger), der Älteste mit seinem Schnurrbart, holte seinen Kautabak aus der Tasche, nahm seinen "Frosch", sagte ein "Gotts Noma" und dann gingen die Männer dem aufgestapelten Holz zu Leibe.


Floßbau

In dem zunächst fast trockenen Bachbett wurden zehn bis zwölf Stämme aneinandergelegt, wobei auf die Länge der Pfaden bei der Zusammenstellung besonderer Wert gelegt wurde. Diese, mit den Giebeln voran, wurden dann vorne gleichgemacht, das "Guoch" (Joch) quergelegt und festgenagelt. Die Joche hatte Bürgermeister Peter Löffler aus Effelter beigebracht. Gegen 13 Uhr wurde dann der Floßteich abgelassen. Einige tausend Kubikmeter Wasser verwandelten den Bach in ein reißendes Gewässer. Durch dieses Flößen erfuhr das Bachbett der Grümpel wieder einmal eine gründliche Reinigung, denn die erste Wasserwelle spülte kraftvoll all das, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte, schwungvoll mit weg. Und dann rauschten die zehn Kuppeln die Grümpel und Kronach mit rund 100 Kubikmeter Holz herunter, sicher gesteuert von wetterharten Männnern, deren Hände mit dem schweren Floßhaken spielend umzugehen verstanden. Je zwei Kuppeln waren zusammengebunden. In schneller Fahrt ging es durch das Grümpeltal, unter Stege und Brücken hindurch. Wenn auf einer Wehrsohle eine Kuppel hängen blieb, war der Peter mit seinem Bulldog da.


Mahlwehr bei Steinberg

Auf dem Wasserweg nach Friesen wurde am so genannten Mahlwehr bei Steinberg eine Zwischenstation eingelegt. Wegen des hohen Gefälles dieses Wehres traten schon von jeher hier besondere Schwierigkeiten auf. Gespannt waren die Blicke der Schaulustigen auf das Wehr gerichtet, als der "Schutz" geöffnet wurde und das erste Floß durchschoss. Langsam neigte sich die Spitze, tauchte unter - und schon hatte sich das Floß mit der Schnauze im Flusskies festgefahren.
Die Flößer sprangen ins Wasser, machten eine Stahltrosse am Floß fest und dann wurde mit Hilfe einer Zugmaschine die Kuppel wieder flott gemacht. Dieses Schauspiel wiederholte sich auch bei den anderen Floßen.
Nach dieser Unterbrechung ging es flott dem Ziel der Reise, dem Sägewerk Gottfried Fischer - Inhaber Ernst Fischer - in Friesen entgegen. Es war ein Tag harter Arbeit, den die zehn kräftigen Flößer - nass bis zum Bauch - am Abend hinter sich hatten. Dennoch leuchteten ihre Gesichter. Sie hatten es wieder einmal geschafft. Konnten sie doch die letzte Floßfahrt durch die Grümpel mitmachen. Und das machte sie stolz und auch ein bisschen glücklich. Wenige Monate später, am 1. August gleichen Jahres, sorgte ein schrecklicher Sturm für ein nochmaliges Aufbäumen in Sachen Flößerei. Die Neuseser Flößer unter der Leitung von Georg Ehrhardt bewiesen erneut ihr großes Können. Für einige Wochen herrschte auf dem Floßanger unterhalb der Langen Brücke in Lichtenfels nochmals Hochbetrieb. Einige tausend Kubikmeter Fichtenholz galt es, floßgerecht für die Mainreise zuzubereiten. Die Arbeit in Lichtenfels lockte viele Schaulustige an. Und die Neuseser - allesamt so richtige Profis - gaben ihr Bestes. Der älteste von ihnen - der 67-jährige Fritz Bayer - machte seit seinem 14. Lebensjahr 500 Mal die Floßreise nach Mainz mit. Aber auch Georg Ehrhardt, Hans Schedel sowie Andreas Schedel hatten ebenfalls viel Erfahrung mainabwärts gesammelt.


2500 Fichtenstämme

Zehn Jahre später - im Oktober 1968 - erhielt Holzhändler Johann Schmidt aus Neuses den Auftrag für eine holländische Firma, 2500 Fichtenstämme für einen Deichbau von Mainz bis Waalwijk zu flößen. Mit dabei waren Adolf Bayer, Kurt Kalb und Peter Koch. Außerdem fuhr ein 72-jähriger Flößer aus Kamp am Rhein mit, der letzte Rheinflößer. Das Floß war 160 Meter lang und 24 Meter breit. Allerdings erwies sich diese letztmalige gewerbliche Floßaktion auf dem Rhein für Holzhändler Schmidt als ein Verlustgeschäft.
Die Zeiten ändern sich: Noch im gleichen Jahr wurde das Flößermuseum in Unterrodach eröffnet. Damit fand ein nahtloser Übergang von der gewerblichen Flößerei zur musealen Pflege und Bewahrung statt.