Auf den ersten Blick konnte man den Eindruck gewinnen, es handelte sich um ein geselliges Beisammensein von Hundeliebhabern, die sich nach langer coronabedingter Abstinenz mal wieder über ihr Hobby austauschen wollten und dazu das Gelände des Gasthofs Werner in Muckenreuth ausgewählt hatten. Aber die Zusammenkunft von 52 Rüden und Hündinnen der Rasse "Belgischer Schäferhund" aus ganz Deutschland hatte doch einen bestimmten Zweck.

"Spieglein, Spieglein, an der Wand. Wer ist die/der Schönste im Bayernland?" Dieser Frage stellten sich die Tiere mit ihren Besitzern oder Züchtern bei der 56. Spezial-Rassehunde-Ausstellung. Gesucht wurde der jeweils beste Hund der vier Rasse-Varietäten "Groenendael" (Schwarzlanghaar), "Tervueren" (Langhaar), "Laekenois" (Rauhhaar) und "Malinois" (Kurzhaar).

Die Aspiranten wurden der Reihe nach, von der Baby- bis zur Veteranenklasse von Zuchtrichter Thomas Nallin "in den Ring" aufgerufen und begutachtet. Nallin wurde vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) ausgebildet und ist seit 2009 Spezialrichter. Mit geübtem Blick bewertet er das Formwerk, das ist das komplette Aussehen, von der Nase bis zum Schwanz. Das beinhaltet den Gesamtaufbau, die Proportionen der Körperlinie, das Gangwerk, die Körperspannung, die Ohren und das Gebiss. Standard bei einem Belgischen Schäferhund ist idealerweise ein quadratischer Körperbau und ein waagerecht verlaufender Rücken.

Sein Pendant, der Deutsche Schäferhund, weist dagegen eine eher rechteckige Form mit einem - wegen etwas niedriger Hinterläufe - leicht nach hinten abfallenden Rücken auf. "Der Belgische Schäferhund ist vor allem im Schutzdienst und als Suchhund bei Polizei, Zoll und Bundeswehr sehr gefragt. Für diesen Einsatz erhält er zusätzlich eine duale Ausbildung", erklärte Zuchtleiter Armin Backschies aus der Nähe von Köln. "Es gibt Spürhunde, die auf Geld, und dabei auf Werte größer zehntausend Euro reagieren."

Seiner Aussage nach sind solche Ausstellungen für die Hunde wichtig, um zur Zucht zugelassen zu werden. "Zucht bedeutet ja: erhalten und verbessern." Das ist auch der Anreiz für Susanne Klein aus Haiger in Hessen. Für sie war die Anreise aus dem Westerwald sehr erfolgreich. Ihre dreijährige Hündin mit dem klangvollen Namen "Feliz von Canis Lupus Pallipes" wurde zunächst zum besten Hund der Art "Groenendael" gewählt und anschließend als "Bester Hund der Ausstellung" ausgezeichnet. Dafür gab es dann noch ein paar extra Leckerlis.

"Ich habe bereits zwei Teamtests bestanden. Mit dem Erfolg bei dieser Ausstellung habe ich die Berechtigung bekommen, eventuell auch einmal züchten zu können", war sie glücklich. Zu den ersten Gratulanten zählte bei der Siegerehrung auch Neudrossenfelds Bürgermeister Harald Hübner.

Kati Mende aus Solnhofen war bereits zum dritten Mal in Neudrossenfeld dabei. Auch sie war mit ihrem Ergebnis zufrieden. Ihr neunjähriger Rüde "Narvik Vitris Bohemia" wurde bester Hund der Varietät "Malinois" und zusätzlich "Veteranensieger Bayern 2021".

Der Ansporn für die Deckrüden-Besitzerin zur Teilnahme: "Ich möchte einfach der Nachzucht meines Rüden zusehen." Souverän organisiert und durchgeführt wurde die Spezial-Ausstellung wie immer von der anerkannten Insiderin Simone Köhler aus Heinersreuth. hd