Christoph Böger Authentischer geht es wohl kaum. Was Elke Jahn sagt, nimmt man ihr zu 100 Prozent ab. Die elegante Dame sitzt dabei auf ihrem Drehhocker an einem schmalen Holzpult im Secondhand-Laden in der Gerbergasse 7. Sie schwärmt von ihrer Tätigkeit. Eigentlich müsste sie schon lange nicht mehr arbeiten, hätte vor zwölf Jahren in Ruhestand gehen können. Doch die 72-Jährige erfüllt ihre Herzensangelegenheit mit Akribie, Lust, Spontaneität und jeder Menge Leidenschaft. Sie ist stolz auf ihren Job.

Und das völlig zu Recht, denn die gebürtige Coburgerin, die drei Kinder groß zog und wegen ihrer Mutter 2008 aus der Wahlheimat Freiburg wieder zurück in die Vestestadt kam, führt ihr etwas anderes Geschäft mit klaren Prinzipien. "Natürlich lasse ich auch mit mir handeln. Wenn gute Kunden mehrere Teile kaufen, dann feilschen wir gerne über den Preis. Nicht aber, wenn jemand ein Stück für zehn, statt für zwölf Euro haben will", erklärt sie mit einer hellblauen Corona-Maske im Gesicht.

Apropos Corona. Das sei schon eine verdammt schwierige Zeit. "Gerade für uns Einzelhändler." Schließlich musste Elke Jahn, wie fast alle ihrer Kollegen, das Geschäft für längere Zeit schließen.

"Corona schaffen wir"

Ihren Optimismus hat die Verkäuferin für Damenbekleidung - "ich habe aber auch Schmuck, Taschen, Hüte, Gürtel und jede Menge Schuhe" - deshalb aber zu keinem Zeitpunkt verloren: "Wir schaffen Corona. Und ich mache weiter, weil es mir Spaß macht, mit meinen Kunden zu reden, mich auszutauschen und ich ihnen gerne tolle Sachen verkaufe."

Just in diesem Moment fällt ihr eine schöne Geschichte ein: "Zu mir kam mal ein Mann. Der hatte wohl ein ganz besonders schlechtes Gewissen. Er kaufte für 500 Euro ein und beauftragte mich, die Sachen zu seiner Frau nach Hause zu liefern. Das habe ich natürlich getan. Die Dame sah ein wenig verweint aus, doch schnell hatte sie ein Lachen im Gesicht. Sie behielt das komplette Anzuziehen", erinnert sich Jahn und schmunzelt dabei.

Das teuerste Teil kostet 98 Euro

Solche Kunden hätte sie natürlich gerne öfters in ihrer "Budike". Ihre Preise sind jedenfalls erschwinglich. Das teuerste Teil kostet 98 Euro.