Seit einem halben Jahrhundert ist die "Lebenshilfe im Landkreis Erlangen-Höchstadt nun im Einsatz. Es ist normal, verschieden zu sein - unter diesem Motto vertritt die Lebenshilfe die Interessen von Menschen mit Behinderung. Genau genommen seit dem 30. Oktober 1967, als 28 Eltern und engagierte Bürger in Herzogenaurach die Lebenshilfe gründeten. Seitdem ist die Lebenshilfe für viele Familien, die ein behindertes Kind haben, ein Stützpfeiler, ohne den der Alltag mit all seinen Schwierigkeiten kaum zu bewältigen wäre. Mit einem bunten Jahresprogramm wird das Jubiläum gefeiert.
Bei der Mitgliederversammlung im Pfarrzentrum St. Otto konnte Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Wustmann elf Gründungsmitgliedern für ihr Engagement danken. "Die Gründung war ein Aufbruch zu neuen Ufern und es ist bewundernswert, wie die Gründer ans Werk gingen", erklärte Wustmann. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich der Verein mit der ersten Tagesheimstätte an der Steggasse stetig weiter. Heute zählt die Lebenshilfe im Landkreis rund 400 Mitarbeiter und entspreicht damit einem mittelständischen Betrieb.
Und durch den Einsatz von ehrenamtlich engagierten und hauptberuflichen Mitarbeitern trägt die Lebenshilfe dazu bei, eine inklusive Gesellschaft mitzugestalten. Ein wichtiges Ziel der Lebenshilfe sei, sagte Wustmann, Menschen mit Behinderung ein Leben in Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung zu ermöglichen. Einen besonderen Schwerpunkt setze die Lebenshilfe deswegen auch auf Veranstaltungen, die der Inklusion dienen. Damit ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft gemeint.
Seit der Gründung sind zahlreiche Einrichtungen und Dienste entstanden und der Verein betreut rund 1000 Menschen mit Behinderung. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte wurde die vor 25 Jahren gegründete Aurachwerkstatt mit rund 200 Mitarbeitern. "Dank der Firmen, die uns mit Aufträgen versorgen, können wir hoffnungsvoll in die Zukunft schauen", erklärte Wustmann mit Blick auf eine gute Auftragslage. Dass die Lebenshilfe getreu dem Motto "miteinander - mittendrin" dazu gehöre, zeige auch, dass alle Gemeinden im Landkreis Mitglied der Lebenshilfe seien.
Dass aber nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, verdeutlichten Wustmann und der geschäftsführende Vorsitzende Josef Hennemann in ihrem Rückblick. So habe zuletzt das Bundesteilhabegesetz für viel Arbeit und Ärger gesorgt, denn der Gesetzesentwurf war aus Sicht der Lebenshilfe inakzeptabel. So drohte die Gefahr, dass behinderte Menschen aus dem Hilfesystem fallen oder Unterstützung nur nach "Ermessen" gewährt werde. Außerdem wären Pflege und Eingliederungshilfe gegeneinander ausgespielt worden. Letztendlich konnte die Lebenshilfe mit Kampagnen und mit mehr als 150 000 Unterschriften erreichen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass sich die heutigen Standards nicht verschlechtern. Richard Sänger