"Wenn ich nur ein paar Menschen dazu bringe, dass sie umdenken, dann hat sich alles gelohnt, was ich in meinem Leben gemacht habe", sagt Brigitte Müller, Landschaftsplanerin, Botanikerin, Künstlerin und Mensch, nachdenklich. Und die gebürtige Erlangerin hat schon einiges gemacht und erlebt. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich studieren, doch der Vater starb und sie erlernte den Beruf des Bauzeichners und erstellte Pläne für Massivhäuser.


Einst jüngste Baggerfahrerin

Mit ihrem ersten Mann, dem Iren Kevin Moyna, einem Gärtner und Musiker, machte sie sich selbstständig. "Aber man kann nicht tagsüber im Dreck wühlen und abends Musik machen", erzählt Brigitte Müller. So gingen ihre Wege freundschaftlich auseinander, sie übernahm das Unternehmen, das nach wie vor "Moyna Landschaftsplanung" heißt. "Damals war ich mit 21 Jahren die jüngste Baggerfahrerin in Bayern", erinnert sich die Landschaftsplanerin und erzählt, dass ihre Mitarbeiter gehänselt wurden, weil ihre Chefin eine Frau war. Deshalb riefen sie am Bau nicht mehr "die Brigitte", sondern gaben ihr den Spitznamen "Daniel".
Mit dem zweiten Mann, einem Fremdenlegionär, ging sie für vier Jahre nach Frankreich, wo sie als "Danielle" bekannt wurde. Dort lernte sie ein ganz neues Leben kennen. "Wenn ich da gebaggert habe, war ich am Anfang allein, dann kamen Nachbarn und halfen und wir waren zu acht. Und abends waren es dann 20 zum Feiern", erzählt Brigitte Müller lachend. In dieser Zeit malte sie sehr viel. Nach der Trennung zog sie nach Kersbach und lernte den Nürnberger Lehrer Thomas Goldmann kennen und lieben. Mit ihm baute sie ein Haus in Burggaillenreuth, in das auch ihre Mutter mit einzog. "Ich wollte an meine Kunden zu Weihnachten keine Weinflaschen mehr verschenken, deshalb machte ich einen Kalender mit Fotos meiner Bilder", erzählt die Künstlerin. Einer dieser Kalender gelangte in die Hände des damaligen Forchheimer Kulturreferenten und Brigitte Müller bekam ihre erste Ausstellung mit 128 Bildern in den Rathaushallen.
Ihre Kalender wurden beliebter und die Auflage größer. "Am Anfang fuhr ich die noch selbst aus, aber meine Mutter hatte Alzheimer und ich konnte sie nicht lange alleine lassen. Deshalb sagte ich zu meinen Kunden, dass sie zu mir kommen müssen", berichtet Brigitte Müller. Und so traf man sich einmal im Jahr in der Gaststätte in Burggaillenreuth mit Vernissage und Kalenderverteilen. "Das ist zu einer richtigen Austauschbörse geworden. Wer Pflanzen übrig hat, bietet sie anderen an. Fragen zum Garten oder Gartenteich werden gestellt und beantwortet. Man vernetzt sich", erzählt die Landschaftsplanerin, die sich nebenher weiterbildete in Bautechnik, Architektur, Nachbarschaftsrecht und Pflanzenkunde.
Vor einem Jahr nun begann sie mit ihrem "Herzensprojekt". Brigitte Müller beschäftigte sich mit Studien, las Bücher bekannter Wissenschaftler und trug alles über Pflanzen als Lebewesen zusammen. "Meine Kunden mussten schon immer bei der Bepflanzung meines Garten helfen und Pflanzen in die Hand nehmen", erzählt die Landschaftsplanerin.


"Wood Wide Web"

In diesem Jahr wollte sie im 25. Kalender mit Bildern und Texten auf die Welt der Pflanzen aufmerksam machen. "Wir Menschen können ohne Pflanzen nicht leben; es gäbe keinen Sauerstoff, keine Nahrung, keine Klamotten oder Medikamente", zählt Brigitte Müller voller Begeisterung auf und meint, dass Außerirdische meinen könnten, dass die Welt von Pflanzen regiert werde, wenn sie von oben auf die Erde schauen würden. Denn das Pflanzenreich stelle 99,5 Prozent der gesamten Biomasse dar. In ihrem Kalender für 2018 geht es um das "Wood Wide Web", Pilzfäden, die sich kilometerweit erstrecken und über die Informationen fließen.
Oder sie beschreibt das Gedächtnis von Pflanzen, ihre interne Kommunikation und Selbstwahrnehmung. "Das ist nichts Esoterisches, sondern Wissenschaft. Schwierig war nur, die wissenschaftlichen Texte so umzuformulieren, dass sie jeder versteht", berichtet Brigitte Müller, und hofft, damit viele Menschen zum Nachdenken zu bringen.