Markus Häggberg Zwei Kerle. Der eine ist älter, der andere ist jünger. Aber das trennt sie nicht, zumindest nicht räumlich. Denn wo der Schorsch ist, da ist der Hubert auch oft. Geht ja in Michelau oft gar nicht anders. Nur ist es eben so, dass der Hubsi dem Schorsch hin und wieder Widerworte gibt. Bei Diskussionen sowieso, auch kramt er ziemlich abweichende Erinnerungen hervor und über Fußball braucht man mit ihm gar nicht erst plaudern. Sobald der Schorsch dem Hubsi mit Mönchengladbach kommt, hält der Hubsi dem Schorsch den FC Bayern München entgegen. Im Allgemeinen ist der Schorsch bei so was ja nachsichtig, er schiebt's halt auf Hubsis Jugend. Aber neulich, als Hubsi seinen 84. Geburtstag feierte, da ging's einfach zu weit. Der Hubsi hat nämlich der Helga Avancen gemacht und damit Schorschs wunden Punkt getroffen. Seit damals nämlich, als bei der Beerdigung von Helgas Mann dummerweise der Kuchen ausging und er mit Helga neuen holen fuhr, hatte er ein Auge auf die junge Witwe geworfen. Aber auch die 73-Jährige habe ihm später immer wieder Grüße ausrichten lassen, und wenn man sich beim Einkauf begegnete, dann trank man Kaffee mitsammen und lächelte. Und nun hat der Hubsi die Helga zu einem geselligen Wandernachmittag samt Einkehr und Kaffee und Kuchen eingeladen. Aus heiterem Himmel, einfach so, weil ihm danach war und ohne den Schorsch zu fragen. Das ist die Geschichte, wie ich sie gehört habe.

Das Beste aber kam zum Schluss. Die beiden Rivalen begegneten einander. Denn wo der Schorsch ist, da ist der Hubert ja auch oft. Diesmal war man gemeinsam im Gasthaus und weil der Schorsch hier keine laute Szene machen wollte, bat er den Hubsi per erhobenen Zeigefinger, welcher sich dann nach dem Bemerktwerden Richtung Tür abknickte nach draußen.

Dort standen sie sich gegenüber und in Schorsch kam nun alles hoch, alles was sich aufgestaut hatte, die Sache mit Mönchengladbach und Bayern und mit Hubsis ewigen Widerworten bei Diskussionen. Ach ja, und die Sache mit Helga auch. Mit seinen 87 Jahren, so sagte sich Schorsch, sei es Zeit, den jungen Hubert endlich mal in die Schranken zu weisen. Er nahm seine Wut zusammen und sprach: "Du ... du ... du Rotzlöffel!"