Der Bund der Steuerzahler hat in seinem aktuellen Schwarzbuch die Vorgänge der Jahre bis 2018 bei Regiomed unter die Lupe genommen. Hans-Heinrich Eidt, Stadtratsmitglied in Coburg (FDP), tut das schon seit Jahren - und findet die Bewertung des Bunds der Steuerzahler falsch. Der hatte von einer "in Teilen überforderten früheren Geschäftsführung" bei Regiomed gesprochen. "Der war nicht überfordert, sondern unfähig - oder kriminell", lautet dagegen Eidts Urteil über den früheren Hauptgeschäftsführer des kommunalen Klinikkonzerns. Laut Eidt ermittelt gegen den Mann die für Wirtschaftssachen zuständige Staatsanwaltschaft in Hof.

Dieser Hauptgeschäftsführer sei aber der einzige, der zur Verantwortung gezogen werde, kritisiert Eidt. Er sieht auch amtierende und frühere Aufsichtsratsmitglieder von Regiomed in der Pflicht - denn die hätten das Tun des Hauptgeschäftsführers nicht nur geduldet, sondern sogar geschützt. Namentlich nennt Eidt den Landrat des Landkreises Lichtenfels, Christian Meißner (CSU). Der habe unter anderem den Bau der Regiomed-Zentralküche im Landkreis Lichtenfels gefördert, und zwar in der großen Variante. Diese Küche mache nun jährlich bis zu drei Millionen Euro Verlust. Als Alternative sei seinerzeit eine kleinere Variante im Gespräch gewesen, die nur zehn Millionen Euro gekostet hätte statt 20. Aber der teureren Variante hätten die Vertreter der Gesellschafter im Aufsichtsrat zugestimmt. "Wie kann es sein, dass erfahrene Kommunalpolitiker als Aufsichtsräte nicht erkannten, dass die Planung eines neuen Krankenhauses für eine halbe Milliarde Euro ohne die notwendigen Vorbereitungen im Gesundheitsministerium erfolgte?" fragt Eidt und zielt damit auf den früheren Coburg Landrat Michael Busch und Altoberbürgermeister Norbert Tessmer (beide SPD). Der Aufsichtsrat habe auch verhindern wollen, dass Eidt als Vertreter der Stadt im Krankenhauszweckverband Einsicht in die Protokolle erhält. Erst nach einer entsprechenden Anordnung von Oberfranken seien die Akten freigegeben worden - und wenige Tage später sei der Hauptgeschäftsführer von der Bildfläche verschwunden, sagt Eidt. "Die immer wieder gestellte Frage nach der persönlichen Verantwortung dieser Aufsichtsräte bleibt unbeantwortet. Es ist höchste Zeit, auch diese Frage öffentlich zu klären bevor Verjährung eintritt", fordert Eidt. sb