"Ich bin jetzt 40 Jahre im Geschäft, 40 Jahre in der Verantwortung, und wir hatten immer ein paar Jährchen dazwischen, wo wir durchschnaufen konnten, aber wir haben jetzt im fünften Jahr in Folge eine Rekordtrockenheit." Mit diesen Worten zeigte BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif am Ende der Braugerstenfahrt auf, mit welchen Problemen die oberfränkischen Braugerstenanbauer konfrontiert sind: "Wir kommen gar nicht mit unserer Produktionstechnik hinterher, um die Umstände draußen zu kompensieren. Die Häufung der Trockenheit erschreckt uns genauso wie die Klimaforscher."

Hans Pezold aus Steinbach/Marktleugast steht an der Spitze des Braugerstenvereins Oberfranken und vertritt die Interessen der oberfränkischen Braugerstenerzeuger. "Unser Verein fördert den Qualitätssommergerstenanbau." Hinsichtlich der EU-Fördermittel verwies er auf eine elementare Auflage: das Pflugverbot beim Sommergerstenanbau im Herbst. Hier bemühe sich die Vorstandschaft um eine Sonderregelung beim zuständigen Ministerium in München.

Eine "verrückte" Lage

BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif zur derzeitigen Lage der Braugerste: "So eine Situation, die wir jetzt haben, konnten wir uns vor einem Jahr überhaupt nicht vorstellen. Wir haben mit der Ernte in der Region Forchheim schon begonnen und manche Betriebe haben schon alles geerntet. Die Lage ist für uns Bauern heuer verrückt, denn wir sind mindestens zehn bis 14 Kalenderwochen zu früh dran." Es gebe bereits jetzt hohe Verluste, weil es für das Getreide viel zu trocken sei. Bei den Früchten, die man jetzt ernte, habe man in höheren Regionen große Probleme, denn es fehlt zwischen 20 und 30 Prozent der Menge.

Es sind nach den Worten des BBV-Bezirkspräsidenten einfach dünne Bestände vorhanden, mit einer Menge kleiner Körner: "Es waren zu wenig Niederschläge und die Hitze war einfach zu groß." Greif: "Wir haben noch nie so teuer wie heuer produziert, weil wir ganz einfach große Betriebskostensätze hatten. Mit dem Ukraine-Krieg hat sich die Lage im Frühjahr noch verschärft und es gab auch den einen oder anderen Bauern, der heuer auch nícht so tief ins Düngerfass gegriffen hat, weil der Dünger extrem teuer ist. Und es gab auch Bauern, die ohne Vorverträge fast nichts bekommen haben."

Keine Butter- und Getreideberge mehr

Was Hermann Greif für wichtig hält, ist, dass man den Bauern nicht noch mehr Auflagen in der Agrarwirtschaft über die Europa- und Deutschlandpolitik macht: "Wir haben keine Butterberge und auch keine Getreideberge mehr. Wir brauchen Nahrungsmittel nicht nur für uns, sondern für alle anderen auch."

CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, stellvertretender Vorsitzender des oberfränkischen Braugerstenvereins verwies darauf, dass die Anbaufläche für die Braugerste in Bayern auf rund 90.000 Hektar gestiegen ist. Ein Anbauschwerpunkt für Braugerste ist weiterhin Oberfranken, und auch hier werde wieder mehr Braugerste angebaut als im Vorjahr. Schöffel: "Ich führe dies auf die gestiegenen Marktpreise und den geringen Düngerbedarf zurück."

Mit dabei war auch Markus Burteisen, Geschäftsführer der Bamberger Mälzerei und Präsident des Deutschen Mälzerbundes: "Sinn und Zweck dieser Rundfahrt war es, die oberfränkischen Anbauflächen der Braugerste anzuschauen.