Üblicherweise ist das Frühjahr die Hoch-Zeit für Veranstaltungen zur Berufsorientierung, Vermittlung von Ausbildungsplätzen und für Bewerbungsprozesse in den Betrieben. Doch in diesem Jahr ist bei vielen Schulabgängern das Thema Ausbildung und Bewerbung um eine Lehrstelle in den Hintergrund geraten. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Weil viele Unternehmen wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten auf Sicht fahren oder sogar ums Überleben kämpfen, wurde die Ausbildung teilweise zurückgefahren. Positiv hebt sich hier die Versicherungs- und Finanzbranche mit einem Ausbildungsplus von acht Prozent ab.

Ausbildung sichert Fachkräfte

IHK-Präsident Friedrich Herdan kennt viele gute Gründe dafür, gerade auch in der aktuell schwierigen Lage das Ausbildungsengagement hochzuhalten: Duale Berufsausbildungen seien das beste Personal-Recruiting-Instrument. Wer ausbilde, habe in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels die Sicherheit, auf geeigneten Nachwuchs zurückgreifen zu können, der zielgenau den jeweiligen betrieblichen Anforderungen entsprechend qualifiziert sei. "Auch wenn unsere Betriebe aktuell mit Auftragsmangel, Kurzarbeit und Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben, sind wir in Zukunft auf Fachkräfte angewiesen, erst recht, um nach der Krise kräftig durchstarten zu können. Ich appelliere deshalb an unsere Betriebe, Ausbildungsplätze zu schaffen und Azubis einzustellen, nicht zuletzt, um auf stark veränderte Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt schnell reagieren zu können, weil den Auszubildenden entsprechende Kompetenzen dazu vermittelt werden."

Hilfen für Ausbildungsbetriebe

Der IHK-Präsident verweist auf Hilfsprogramme wie den Ausbildungsbonus aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung: Betriebe (begrenzt auf 249 Beschäftigte), die ihr Ausbildungsplatzangebot in diesem Jahr im Vergleich zu den drei Vorjahren beibehalten, erhalten für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Prämie in Höhe von 2000 Euro. Wenn Unternehmen ihr Angebot an Lehrstellen erhöhen, werden für jeden zusätzlichen Ausbildungsvertrag 3000 Euro ausgezahlt. Betriebe, die Auszubildende aus Insolvenzunternehmen übernehmen, erhalten ebenfalls 3000 Euro pro Auszubildendem.

"Die genannten Beträge stellen eine ansehnliche Unterstützung dar, die sich angesichts der tatsächlichen Ausbildungskosten wieder relativiert, aber solche Überlegungen dürfen nicht im Vordergrund stehen, denn Ausbildung ist für unsere Betriebe eine Zukunftsinvestition", stellt Friedrich Herdan klar. "Allerdings liegt schon ein Manko in der Bonuslösung, weil ein Großteil unserer Ausbildungsbetriebe aufgrund der Mitarbeiterzahl über 249 davon ausgeschlossen ist."

"Karriere mit Lehre"

Der IHK-Präsident richtet seinen Appell an junge Leute und deren Eltern, sich jetzt dezidiert mit den Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung zu befassen, denn in den letzten Wochen seien in vielen Bereichen aufgrund besonderer Hygienevorschriften wegen Corona die Bewerbungsprozesse zurückgefahren worden. Deshalb sei es wichtig, die noch verbleibende Zeit bis zum Ausbildungsbeginn zu nutzen, um sich zu informieren und zu bewerben.

Weltweites Bildungsvorbild

Aktuell stehen im IHK-Bezirk Coburg noch 561 offene Lehrstellen zur Verfügung (siehe Infokasten). "Unsere duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell und weltweites Bildungsvorbild und der staatlich anerkannte Abschluss gilt als Qualitätssiegel", betont Herdan. Die Verbindung aus praktischem Lernen im betrieblichen Arbeitsprozess und Theorievermittlung in der Berufsschule bildet die optimale Basis für eine "Karriere mit Lehre", entsprechend spezifischen persönlichen Fähigkeiten und Neigungen. Wesentlicher Aspekt sei auch die Ausbildungsvergütung, die im Gegensatz zum Studium frühzeitig ein selbst bestimmtes Leben ermöglicht.

Unterstützung durch die Kammer

Neben bewährten Unterstützungsmaßnahmen wie IHK-Lehrstellenbörse, AusbildungsScouts und Nachvermittlungsaktionen für unversorgte Bewerber bietet die IHK Coburg aktuell eine neue Maßnahme an: das sogenante Matching-Verfahren. Dazu wurden im ersten Schritt die noch freien Ausbildungsplätze in den Unternehmen abgefragt. Als nächstes werden bei einem virtuellen Speed Dating den unversorgten Bewerbern ihrem Profil entsprechende Ausbildungsangebote vorgestellt. Über einen solchen Abgleich sollen auch Lehrlinge, die die Ausbildung bei ihrem bisherigen Arbeitgeber aufgrund Corona nicht fortsetzen können, an andere Ausbildungsbetriebe vermittelt werden.

"Der Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt ist in diesem Jahr sehr deutlich. Hoffentlich ist das nur eine Momentaufnahme und es besteht berechtigter Anlass, dass sich an den Zahlen bis zum Beginn des Ausbildungsjahres noch etwas ändert und das Ergebnis unterm Strich besser ausfällt", hofft der IHK-Präsident. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die Coburger Betriebe in den letzten Jahren die Ausbildungsleistung kontinuierlich gesteigert hätten, weil erkannt wurde, dass damit der Fachkräftenachwuchs am besten gesichert werden könne. Herdan: "Damit kommen wir von einem relativ hohen Niveau direkt in den Krisenmodus."