In Deutschland leben die Menschen so, dass sie am 5. Mai 2021 alle Ressourcen für das gesamte Jahr, die sie verbrauchen dürften, um die Erde nicht zu schädigen, verbraucht haben. Die weiteren Monate bis Ende des Jahres schädigen die Menschen die Erde. Nachhaltig.

"Eine Million höhere Arten sind akut gestört", machte Universitätsprofessor Manfred Miosga aus Bayreuth in einem Vortrag im Kulmbacher Rathaus klar. Es sei keine Zeit mehr, noch länger zu zögern. Die Erderwärmung schreite stetig und unaufhaltsam voran. Der Klimawandel könnte schon bald so dramatisch werden, dass einige Teile der Erde nicht mehr bewohnbar sind. Die Biodiversität schwinde, Extremwetterlagen und Trockenheit drohten.

Der Universitätsprofessor stellte mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Jannis Schiffer dem Natur-, Umwelt- und Klimabeirat das forum 1.5 vor, ein regionales Transformationsnetzwerk. "Die Dringlichkeit der Klimakrise nimmt zu", warnte Miosga. Trotz der Corona-Pandemie und dem verordneten Lockdown liege die Erderwärmung viel zu hoch. Bereits 2080 oder 2100 könnte die Erde um bis zu vier Grad wärmer sein. Das bedeute: Eine Milliarde Menschen könnten dann nicht mehr an den gewohnten Orten leben. Schon jetzt habe der Ausverkauf der "kühl bleibenden" Gegenden begonnen. Superreiche horteten Grundstücke.

"Wir müssen alles daransetzen, die 1,5-Grad-Schwelle nicht zu überschreiten", sagte Miosga. Er forderte Treibhausneutralität bis 2035. Das globale Problem müsse auf lokaler Ebene angepackt werden, mahnte er.

Aktuell begeht das forum 1.5 die "Wandelwoche". Das Netzwerk möchte fünf Wenden einleiten: die Energiewende, die Mobilitätswende, die Industrie- und Konsumwende, die Ernährungswende und die Wärme- und Wohnwende.

Das forum 1.5 will eine Plattform für alle sein, die sich in der Region Oberfranken für eine klimagerechte Zukunft einsetzen. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen gemeinsam über nötige und mögliche Beiträge zu einer Reduktion der Treibhausgase ins Gespräch kommen.