Dackeldame Fenja ist mit ihren 14 Jahren schon ein älteres Hundesemester. Allerdings schützt ihr hohes Alter nicht unbedingt vor Dummheiten. Beim täglichen Spaziergang mit ihrem Frauchen, Doris Loose, brachte sich Fenja am Mittwoch in eine derart knifflige Lage, dass sie sich selbst nicht mehr befreien konnte und auch ihr Frauchen es nicht ohne fremde Hilfe schaffte.

Doris Loose wohnt in der Innenstadt. Von dort ist es nur ein "Katzensprung" zum Hofgarten, wo die Seniorin nach Möglichkeit täglich mit ihrem Dackel Fenja spazieren geht. "Unser tägliches Training", sagt Doris Loose, als sie dem Tageblatt von Fenjas dramatischer Rettung erzählt. Ganz hinauf, bis zur Veste, schaffe es die 14-jährige Hundedame heute nicht mehr, doch am herzoglichen Mausoleum, im östlichen Teil des Hofgartens, führe der Spaziergang fast immer vorbei.

Das etwa 25 auf 25 Zentimeter große Loch im Sockel des Bauwerks, das in einen Lüftungsschacht führt, hatte Fenja natürlich schon früher entdeckt. "Sie ist ein Jagddackel und auf Fuchsbauten ausgerichtet, da hat sie natürlich schon öfter reingeguckt, ob auch noch alle in ihrer Gruft sind", berichtet Doris Loose und lacht. Am Mittwoch war die Neugier dann aber wohl zu groß. Fenja schlupfte ein wenig zu weit in die Öffnung und rutschte schließlich so tief hinein, dass sie stecken blieb und sich nicht mehr befreien konnte.

"Sie hat furchtbar gejault und gebellt", erzählt Doris Loose. "Ich konnte ihr nicht helfen, ich habe sie nicht mal mehr gesehen." Dabei hatte Fenjas Frauchen schon die schlimme Befürchtung, dass ihr Hund abgestürzt sein könnte. Am Ende des Lüftungsschachtes geht es noch gut drei Meter tief hinunter in die Gruft. "Da hätte sie sich leicht was brechen können", sagt die Seniorin, noch immer ein wenig mitgenommen von dem Erlebnis. "Ich wusste ja nicht, in welchem Zustand Fenja ist."

Auf der Suche nach Hilfe

Fast panisch sei sie schließlich "durch den Hofgarten geschossen", auf der Suche nach Hilfe. Ein Handy hat die Hundebesitzerin nicht. Und tatsächlich traf sie ein paar Meter weiter auf drei Männer vom Grünflächenamt. Vorarbeiter Martin Dorn, Florian Eisentraut und Jako Carl, die gerade am Spielplatz beschäftigt waren, zögerten nicht und kamen gleich mit zum Mausoleum. Sehen konnten auch sie den Hund zunächst nicht, aber hören: "Fenja war total in Panik", erinnert sich Doris Loose. "Sie hat dermaßen gejammert, das klang fast wie in der Geisterbahn."

Weil das Mausoleum verschlossen war, mussten die Mitarbeiter zunächst den passenden Schlüssel holen. Doch kaum war das Tor geöffnet, standen sie schon vor dem nächsten Hindernis: Die Gruft ist durch ein Gitter im Boden verschlossen. Weil sich dafür kein Schlüssel auftreiben ließ, rückten die Männer mit schwerem Werkzeug an und flexten das Gitter auf. Doch noch immer war der Weg hinunter in die tiefe Gruft nicht frei. Es fehlte eine Leiter. Die organisierte schließlich ein vierter Helfer. "Das war Matthias Schmidt", erzählt Doris Loose. Wie dankbar sie den vier Männern ist, kann die Hundebesitzerin kaum in Worte fassen. "Was sie alles unternommen haben und wie hilfsbereit sie waren...!"

Während die Männer fieberhaft an Fenjas Befreiung arbeiteten, versuchte Doris Loose, die Dackeldame zu beruhigen. Immerhin stellte sich, als Martin Dorn endlich in die Gruft hinab klettern konnte, schnell heraus, dass Fenja nicht abgestürzt war, sondern "nur" so fest im Schacht steckte, dass sie nicht mehr vor und zurück konnte.

Nachdem die Männer sich bestimmt eine Stunde gemüht hatten, wie Doris Loose schätzt, ging der Rest der Rettung schnell. Martin Dorn lehnte die Leiter in der Gruft an die Wand und zog den Dackel aus seinem Gefängnis heraus. Ein paar Minuten später konnte Frauchen ihre Fenja unversehrt in die Arme schließen.

Nun hat Doris Loose nur noch einen Wunsch: "Es wäre mir wichtig, dass das Grünflächenamt ein Gitter vor die Öffnung macht", findet sie. Schließlich könnten sich auch andere Tiere in den Schacht verirren und schlimmstenfalls nach unten in die Gruft stürzen. Der Wunsch wurde prompt erfüllt, wie das Tageblatt am Donnerstag erfahren hat. Das Loch ist jetzt verschlossen. Für die drei Mitarbeiter vom Grünflächenamt war das kein Thema. Schließlich haben Dorn und Eisentraut selber Hunde, wie sie erzählen: "Aber größere."