A ls die Welt 1979 erstmals vor einer nuklearen Katastrophe stand (ein Reaktor im US-Atomkraftwerk Harrisburg drohte durchzuschmelzen), nahmen diese Warnung nur wenige ernst. Naja, die Amis, die passen halt nicht richtig auf.
1986 explodierte ein Reaktor in Tschernobyl in der Ukraine. Die Auswirkungen reichten bis nach Deutschland. Man beruhigte sich wieder: Veraltete Sicherheitstechnik in der Sowjetunion, kein Wunder.
2011 gab es keine Ausreden mehr. Vor den Augen der Welt lösten sich im japanischen Fukushima mehrere Reaktorblöcke nacheinander in Luft auf.
Die Politik reagierte. Die Bundesregierung rief die Energiewende aus. Eine Konsequenz daraus spielt sich am morgigen Samstag vor den Augen der Menschen in der Region ab: Das Kernkraftwerk im nahen Grafenrheinfeld wird abgeschaltet. Aus den Kühltürmen, die weithin sichtbar sind und zwangsläufig über die Jahre auch ein Wahrzeichen für das Maingebiet waren, werden keine Dampfschwaden mehr entweichen. In absehbarer Zeit werden die beiden mächtigen Bauwerke abgerissen.
Das Thema Kernenergie verschwindet mit der Abschaltung in Grafenrheinfeld jedoch nicht. Der radioaktive Abfall bleibt und wird die Politik und die Menschen noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte beschäftigen. Eine Lösung dieses Problems gibt es (bisher) nicht. Die nachfolgenden Generationen werden sich damit noch herumschlagen müssen.
Leider ist auch die Energiewende ins Stocken geraten. Die zahlreichen Querschüsse aus Politik, Wirtschaft und anderen Interessengruppen haben den Elan gebremst, die Energieversorgung auf eine neue Basis zu stellen. Ernüchterung ist eingekehrt. Die Bau von Windrädern in Bayern ist beispielsweise fast zum Erliegen gekommen. Dass im Landkreis noch solche Anlagen gebaut werden wie derzeit im Sailershäuser Wald, ist die Ausnahme.
Dabei gibt es keine Alternative zur Energiewende. Die fossilen Brennstoffe wie Öl oder Kohle sind irgendwann aufgebraucht und außerdem verschmutzen sie die Umwelt. Die Kernenergie, die manche Zeitgenossen noch nicht abgeschrieben haben, birgt enorme Risiken, wie die bisherigen Unfälle gezeigt haben, und hinterlässt ein strahlendes Problem.
Man stelle sich das Szenario vor, dass in Deutschland oder im nahen Ausland ein weiterer Reaktorunfall passiert wie in Fukushima oder Tschernobyl. Alle deutschen Kernkraftwerke würden über Nacht abgeschaltet, und niemand würde wagen, dagegen zu protestieren. Muss es soweit kommen? Sicherlich nicht.
Die Zeit der Atommeiler ist vorbei. Mit der Abschaltung von Grafenrheinfeld wird ein wichtiges Zeichen gesetzt.