Die Kronacher SPD begrüßt es, dass ihre Forderung nach Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus in der Stadt Unterstützung erhält. Als Nächstes will sie einen weiteren Ansatzpunkt aufgreifen, um den Wohnungsmarkt in Kronach schnell zu entlasten und dem Anstieg der Mieten entgegenzuwirken: Die Bekämpfung des eklatant großen Leerstands von zum Teil relativ neuen und jederzeit beziehbaren Häusern und Mietwohnungen.

SPD-Stadtrat Klaus Simon hat mittlerweile einen Blick für die leer stehenden Häuser und Wohnungen entwickelt, wenn er durch die Stadt läuft. "Am Kreuzberg gibt es etliche leer stehende Häuser und Wohnungen, die in einem guten Zustand sind und jederzeit wieder bewohnt werden könnten", berichtet er und schätzt, dass es in Kronach weit über 100 Leerstände bei Häusern und Wohnungen in einem relativ guten Bauzustand gibt, die schnell wieder saniert und dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden könnten. Ein häufiges Problem in Kronach sei, dass die Kinder oft beruflich weggezogen sind und wenn die Eltern verstorben sind, das Haus leer steht, anstatt dass es verkauft oder vermietet wird.

Diesen Wohnraum wieder verfügbar zu machen, damit will die SPD-Stadtratsfraktion den Wohnungsmarkt schnell und mit relativ geringem Aufwand entlasten. Auch bei den ehemaligen KWG-Wohnungen, die von der Union Investment übernommen wurden, gibt es unter den 650 Wohnungen rund 50 Leerstände, haben Anfragen von Klaus Simon und Sabine Gross, der Justiziarin des Mietervereins und SPD-Stadträtin, ergeben. Dass die Gesellschaft jetzt angekündigt hat, eine größere Zahl von Wohnungen zu sanieren, begrüßen sie. Schließlich sei das nicht nur im Interesse der Stadt, wieder mehr Wohnraum zu bekommen. Auch für die Union Investment und die Mieter sei dies langfristig die beste Lösung, weil leer stehende Wohnungen Defizite verursachten und so der Drang zu Mieterhöhungen zunehme, um die Gewinne der Gesellschaft zu sichern.

Deshalb wird die SPD beantragen, dass die Stadt alle Eigentümer leer stehender Häuser anschreibt und bittet, ihre Immobilie zu vermieten oder zu verkaufen. Diese ungewöhnliche Maßnahme sei gerechtfertigt, weil es in Kronach eine permanent hohe Nachfrage nach Wohnungen gebe und es sich abzeichne, dass mit dem Aufbau der Hochschulangebote in Kronach diese noch zunehme. Schließlich sei die Kreisstadt mit ihrer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen insgesamt ein attraktiver Standort mit einem hohen Zuzug gerade von jungen Familien. Der Schwerpunkt der bestehenden Immobilien liege bei größeren Wohnungen, die oftmals aber nicht barrierefrei seien. Beim Neubau von Wohnungen solle man sich darauf konzentrieren, eher kleine, aber barrierefreie Wohnungen zu schaffen.

Zufrieden ist die SPD, dass ihr Wunsch nach Ankauf des ehemaligen THW-Geländes, um dort sozialen Wohnungsbau zu realisieren, wohl bald in Erfüllung geht. Mitte letzten Jahres hatte die SPD, nachdem die Verkaufsverhandlungen lange Zeit nicht vorwärts gegangen waren, erfolgreich einen Kaufantrag im Stadtrat eingebracht und regelmäßig nachgefragt, wie die Verhandlungen laufen. Seitdem seien viele der offenen Fragen, wie ein Wertgutachten oder Altlasten, geklärt worden. Weiterhin habe die SPD damals vorgeschlagen, einen kompetenten Bauträger aus dem Mietwohnungsbau als Partner für die Bebauung zu suchen.

Dabei bekräftigt die SPD ihre Grundüberzeugung, dass Wohnen ein Grundrecht sei, das bezahlbar bleiben müsse. Wohnen allein dem freien Markt zu überlassen, wie es die Politik seit vielen Jahren durch die faktische Abschaffung des sozialen Wohnungsbaues sowie der Privatisierung von öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften getan habe, sei eine Fehlentwicklung gewesen. Beispiele seien der Verkauf von 33 000 Wohnungen der GBW durch die CSU-Staatsregierung oder auch der KWG in Kronach, bei der sich damals finanzielle Probleme abgezeichnet hatten. Die damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Marina Schmitt habe immer wieder deutlich gemacht, dass die Stadt weiter nach einer Lösung suchen müsse, bei der die Stadt neben den privaten Investoren einen maßgeblichen Einfluss auf die KWG behalten hätte. Dies habe im Stadtrat aber keine Mehrheit gefunden. vz