Veronika Schadeck Im Markt Pressig machen sich die Schattenseiten des Baubooms bemerkbar. Das wurde am Montagabend bei der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses deutlich. Es ging dabei um den Ausbau der Gartenstraße. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. So haben Anlieger bei Starkregen teilweise mit volllaufenden Kellern zu kämpfen.

Bereits vor 18 Monaten hat ein Ingenieurbüro Kosten für den Ausbau der Gartenstraße mit Erneuerung der Wasserleitungen und Kanal in Höhe von 560 000 Euro berechnet. Bei der darauffolgenden ersten Ausschreibung lag das wirtschaftlichste Angebot bei 1,3 Millionen Euro, bei der zweiten bei rund 1,1 Millionen und nun bei der dritten Ausschreibung bei 831 000 Euro.

"Nicht nachvollziehbar"

Für Martin Welscher (FW) ist das Ganze nicht nachvollziehbar. Warum gibt es derartige Kostenabweichungen? Wo liegen diese begründet?, fragte er. Er wies darauf hin, dass im Gemeindegebiet noch weitere sanierungsbedürftige Straßen vorhanden seien. Außerdem sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren die Gemeinde weniger Einnahmen erzielen wird. "Wir tragen eine hohe Verantwortung, wir müssen das Ganze im Blick behalten!"

Er möchte wissen, mit welchen Zahlen Ingenieurbüros ihre Kalkulationen zusammenstellen, äußerte Wolfgang Förtsch (SPD) sein Unverständnis. Bei der ersten Ausschreibung lag das günstigste Angebot über 100 Prozent höher als die Kostenberechnungen, bei der dritten noch rund 67 Prozent. "Das Ganze ist kurios!" Und: "Wir müssen jetzt die Kröte schlucken - aber man sollte schon überlegen, wie man mit öffentlichen Geldern umgeht!"

Das Ingenieurbüro habe keine Schuld, so Reinhold Heinlein (CSU). Er erlebe solche Gepflogenheiten oftmals auf Kreisebene. "Da stehen andere Summen im Raum!"

"Die Ausschreibung ist auf Herz und Nieren geprüft worden", erklärte Bürgermeister Hans Pietz (FW). Er habe auch seine Schwierigkeiten, dem zuzustimmen. Aber in der Gartenstraße bestehe dringender Handlungsbedarf.

Der Bauamtsleiter Andreas Schorn wies darauf hin, dass die Gemeinde wegen der überteuerten Angebote die Regierung von Oberfranken eingeschaltet habe. Er bekam zu hören, dass das hohe Preisniveau in der Konjunktur begründet sei. Bei der Regierung gehe man von weiteren Kostensteigerungen im Bereich des Tiefbaus aus. Er teilte dem Gremium mit, dass die Behörde bereit sei, dementsprechend auch die Förderungen anzupassen. Die Gemeinde könne mit einem Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten rechnen, in der Summe seien dies rund 400 000 Euro. Zudem gab er zu bedenken, dass die Regierung nicht ewig den Zuschuss für die Gartenstraße aufrechterhalten werde.

Letztendlich stimmte das Gremium mit einer Gegenstimme dafür, den Auftrag an die Firma Straßen- und Asphaltbau Rennsteig GmbH in Zella-Mehlis zum Preis von 831 000 Euro zu vergeben.

Örtlicher Betrieb hat Nachsehen

Dass heimische Handwerksbetriebe zwar in jeder Gemeinde willkommen sind, aber bei kommunalen Aufträgen aufgrund der Ausschreibungsmodalitäten nicht zum Zuge kommen, wurde bei der Ausschreibung für Bodenbeläge beim Dachgeschossausbau der Mittelschule deutlich. Hier ging es um eine Differenz von 500 Euro, die ein heimischer Betrieb hinter dem wirtschaftlichsten Angebot lag.

Klaus Dressel (CSU) plädierte dafür, den ansässigen Betrieb bei der Vergabe zu berücksichtigen. "Wir wollen doch immer die heimische Wirtschaft stärken!"

"Mir tut das auch weh!", so Bürgermeister Hans Pietz. Aber eine Kommune sei nun mal an die Vergaberegelungen gebunden, "sonst sind die Zuschüsse weg!" Der Auftrag wurde schließlich mit einer Gegenstimme an die Strullendorfer Firma Fleischmann Bodenbeläge vergeben.

Zustimmung fanden die beabsichtigten Landschaftspflegemaßnahmen für 4300 Euro in der Gemarkung Pressig durch die Ökologische Bildungsstätte. Allerdings sollte hier die Priorisierung auf Streuobstwiesen gelegt werden und nicht auf die Einrichtung eines Fledermausquartiers im Felsenkeller zwischen Rothenkirchen und Brauersdorf, meinte Klaus Dressel, der sich durchaus vorstellen kann, dass wegen der Fledermäuse die Straße nach Brauersdorf für den Verkehr gesperrt werden könnte. Beschlossen wurde eine nochmalige Auslegung des Baubauungsplans "Metzgersberg". Wie Norbert Köhler vom IVS-Büro Kronach mitteilte, gab es eine ganze Reihe von Bedenken seitens der Anlieger. Unter anderem wurde auch eine starke Verkehrsbelastung und mehrere Wohnblöcke befürchtet, wenn eine Zufahrt von der Thüringer Straße aus gewährt werde. Im überarbeiteten Plan habe man nun davon Abstand genommen, die Zufahrt werde über die Bergstraße erschlossen.

Auch wurden die Baufenster so eingeteilt, dass nur ein Wohnblock entstehen kann. Man sollte froh sein, einen Investor zu haben, der bereit sei, Wohnraum zu schaffen, meinte Reinhold Heinlein (CSU).

Sei denn die Thüringer Straße in privater Hand? fragte Berthold Nickol (parteilos). Er begreife es nicht, dass Leute in Anspruch nehmen, über Zufahrten von öffentlichen Straßen zu bestimmen.

Letztendlich sprach sich das Gremium für eine erneute Auslegung aus. Auch wurden in der neuen Version die Anregungen der Behörden mit einbezogen. Der genaue Termin für die erneute öffentliche Auslegung wird noch bekanntgegeben.