Die 22 Meter hohe "Prinzregentenlinde" am Kapellenberg war bis zum Jahr 2016 ein Naturdenkmal, wurde dann aber aus der Liste herausgenommen. Gestern wurde sie gefällt. Schon im Vorfeld hatte es deshalb viel Ärger gegeben: Während die SPD-Fraktion im Marktgemeinderat von einer nicht nachvollziehbaren Entscheidung sprach, ging es für Bürgermeister Marc Benker (CSU) und die Mehrheit im Gremium ausschließlich um die Verkehrssicherheit der ehrwürdigen Linde, die in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhaus und auch zur Kreisstraße stand. Im Nu entwickelte sich daraus ein Politikum.

Eigentlich sollte das Thema bei der geplanten Sitzung des Marktgemeinderates am vergangenen Mittwoch behandelt werden. Für die Tagesordnung war das weitere Vorgehen bei der Linde am Kapellenberg vorgesehen. Doch so weit kam es nicht, denn die Sitzung musste wegen eines Corona-Falles noch am Abend kurzfristig abgesagt werden.

Gefahr war laut Gutachten gegeben

Dennoch sah sich Bürgermeister Marc Benker zum Handeln gezwungen, denn der 15. März war die letzte Möglichkeit, die Motorsäge an der "Prinzregentenlinde" anzusetzen. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt nämlich vor, dass in der Zeit vom 1. März bis 30. September das Fällen von Bäumen in aller Regel strikt verboten ist. Ausnahmegenehmigungen werden nur dann erteilt, wenn Gefahr in Verzug ist, also wenn der Lindenbaum nach einem Sturm umzukippen droht.

Und diese Gefahr war nach dem Gutachten von Forstingenieur Johannes Forster aus Wirsberg auch gegeben: "Für die Herstellung der Verkehrssicherheit ist es erforderlich, den Baum eingehend zu untersuchen. Eine rein visuelle Untersuchung ist nach der Einschätzung des Sachverständigen zum momentanen Zeitpunkt nicht ausreichend." Die Kronensicherungen wären auf jeden Fall zu erneuern und durch stärkere zu ersetzen. Der Forstingenieur abschließend: "Bei dieser Maßnahme ist jedoch keine Garantie gegeben, dass die Maßnahme für die Stand- sowie Bruchsicherheit ausreichend ist."

Nach einer Aussage der Unteren Naturschutzbehörde war es sichtbar, dass der Baum langsam seinem Ende entgegengeht. Die weitergehende Untersuchung und die Bestandspflege hätten allein Kosten von annähernd 5000 Euro verursacht, wie Bürgermeister Benker gestern bei dem Ortstermin feststellte. Im Marktgemeinderat wurde deshalb mehrheitlich entschieden, den Baum zu fällen und einen neuen Baum an anderer Stelle zu pflanzen.

Die SPD-Fraktion wollte zwar noch eine zweite Meinung einholen, doch die wurde mehrheitlich nicht für notwendig gehalten. Ohne im Marktgemeinderat nochmals darüber zu beraten, musste aber eine Entscheidung hinsichtlich der Verkehrssicherheit des Lindenbaumes getroffen werden.

Bürgermeister Marc Benker: "Wir konnten nicht mehr warten, und da sieht unsere Geschäftsordnung vor, dass der Bürgermeister die Entscheidung trifft und den Gemeinderat bei der nächsten Sitzung informiert. Allerdings war die Lage so, dass diese Entscheidung auch eine breite Mehrheit im Gemeinderat getroffen hätte. Ich habe mich auch noch mit unserer Zweiten Bürgermeisterin Monika Müller abgesprochen und wir waren beide dafür, dass das berechtigte Interesse der Anwohner und auch der Verkehrsteilnehmer auf der Kreisstraße Vorrang hat. Ich hatte auch alles mit der Rechtsabteilung am Landratsamt abgesprochen."

Die Frage, ob die "Prinzregentenlinde" gefällt werden kann, geht bereits auf den November 2020 zurück. Da wurde der Bürgermeister vom Eigentümer des unmittelbaren Nachbaranwesens angesprochen, weil dieser Bedenken hinsichtlich der Standfestigkeit des Baumes hatte. "Wir mussten handeln, und ich habe noch im Dezember die Fraktionen im Gemeinderat darüber informiert", erklärte Marc Benker.

Mehrheitliche Entscheidung getroffen

Im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung im Februar wurde dann eine mehrheitliche Entscheidung getroffen, den Baum zu fällen. Die Entscheidung wurde aber dann von der SPD-Fraktion angezweifelt, weil der Punkt nicht auf der Tagesordnung stand und damit nicht rechtmäßig zustande gekommen sei.

Bürgermeister Benker dazu: "Dass die Sitzungsleitung von Teilen des Gemeinderates dann bei der Rechtsaufsicht überprüft wird, das hätte ich nicht erwartet. Wir wollten rechtmäßig auf der sicheren Seite stehen, und damit sich niemand benachteiligt fühlt, hatten wir das weitere Vorgehen bei der Linde am Kapellenberg auf die Tagesordnung am 10. März gesetzt." Aber damit waren die Bestrebungen der SPD-Fraktion, den Lindenbaum unbedingt zu erhalten, nicht aus dem Weg geräumt.

Unabhängig vom vorliegenden Gutachten hat Bürgermeister Benker auch mit dem örtlichen Verkehrs- und Verschönerungsverein sowie dem Bund Naturschutz Kontakt aufgenommen. Auch von dieser Seite wurde eingesehen, dass der Lindenbaum eben nicht verkehrssicher ist und die Gemeinde dann vernünftig handeln müsse.