Kronach  —  Die Galerie des Kronacher Landratsamts steigt nach coronabedingter Zwangspause wieder in das Ausstellungsgeschehen ein - und das höchst "farbenfroh" mit wahren Pop-Art-Farbexplosionen, "gezündet" vom gebürtigen Reichenbacher Julian Schülein.

Endlich wieder bunte Bilder an den sonst so kargen weißen Wänden der Landratsamt-Galerie! "Und wenn schon, denn schon" möchte man sagen: Der Titel der aktuellen Ausstellung "Color Explosions" verspricht dabei wahrlich nicht zu viel; dürfen sich doch seit Beginn dieser Woche alle Besucher an zündenden "Farbexplosionen" der überwiegend knalligen und leuchtenden Werke von Julian Schülein erfreuen.

"Diese Bilder machen einfach Spaß", meinte Kreiskulturreferentin Gisela Lang, der die Freude über die erste Ausstellung nach dem Lockdown ins Gesicht geschrieben stand. Wenngleich eine offizielle Vernissage mit Gästen coronabedingt aktuell nicht möglich sei, überwiege doch die Erleichterung darüber, dass wieder die Kunst in die Galerie einziehen kann - eine, wie Gisela Lang betonte, echte Herzensangelegenheit von ihr - nach dem Motto "Nicht aufgeben, sondern weitermachen!". Von den vor Farbigkeit geradezu explodierenden Bildern im Pop-Art-Stil zeigte sie sehr angetan.

Ein großes Anliegen des Landkreises und ihr persönlich sei es dann auch, heimischen kreativen Köpfen die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren - so wie nunmehr Julian Schülein.

Maler seit Kindheit

"Ich habe schon immer gemalt und war schon immer kreativ. Bereits in der Realschule wählte ich als einziger Junge aus der Klasse Kunst statt Werken", erinnert sich Julian Schülein, der 1992 in Kronach geboren wurde und in Reichenbach aufwuchs. Mittlerweile arbeitet er als Servicekraft und Barkeeper im "Arizona" in Forchheim - eine Arbeit, die ihm viel Spaß mache. Der Newcomer präsentiert sich zum ersten Mal öffentlich in seinem Heimatlandkreis. "Schon als Kind habe ich alles bemalt - beispielsweise auch meine Schulhefte. Wenn mir langweilig war oder wenn ich abschalten wollte, habe ich mich hingesetzt und einfach losgemalt", erklärt der 27-Jährige.

Vor eineinhalb Jahren hätten Freunde seine Arbeiten gesehen und seien völlig begeistert gewesen. Daraufhin begann er, seine Bilder in einem größeren Umfeld zu zeigen - beispielsweise im ehemaligen Apollo-Kino oder auch bei einem Live-Painting im Club "Mississippi Queen", beides in Nürnberg. Auch einige Platten-Hüllen - vier davon sind bei der Ausstellung sehen - hat er gestaltet. "Viele Leute fanden Gefallen an meinen Bildern - mehr als ich je gedacht hätte. Inzwischen habe ich auch schon einige verkauft", verrät Julian Schülein, der hauptsächlich auf Leinwand oder Hartfaser-Platten malt. Hierfür verwendet er Filzstifte, Eddings oder Acrylstifte. Manche Bilder hat er komplett oder teilweise mit Pinseln gemalt.

"Ich hatte auch Spaß beim Einrichten und Dekorieren meiner Wohnumgebung", erzählt der Wahl-Forchheimer. Dem Umzugsstress sei es auch geschuldet, dass er in letzter Zeit nicht so zum Malen kann. "Ansonsten male ich wirklich jeden Tag", bekundet. Größere Bilder legt er auf den Boden; die anderen entstehen auf dem Küchentisch. Für kleine Bilder braucht er zehn bis zwölf Stunden, für das größte Bild der Ausstellung rund 20 Stunden. Die Bilder sind auch - bis auf einige unverkäufliche Werke - zu einem moderaten Preis verkäuflich.

Gehängt wurden die Exponate für eine stimmungsvoll-harmonische Gesamtwirkung von der Kreiskulturreferentin mit ihrem geübten Händchen. Ein Ausschnitt aus einem seiner Werke war auch für das Deckblatt des "Kronacher Sommer" 2020 vorgesehen. Er soll dann vermutlich 2021 das Deckblatt zieren, wenn hoffentlich wieder mehr kulturelle Veranstaltungen im Landkreis möglich sind.

Bis 9. Oktober

Die ansteckend fröhliche Ausstellung voller intensiver Farbigkeit und ausdrucksstarker Formen kann bis zum 9. Oktober während der üblichen Öffnungszeiten unter Einhaltung der bekannten Corona-Auflagen betrachtet werden. Als nächste Ausstellung sind ab dem 9. November Impressionen aus zehn Jahren "Kronach leuchtet" angedacht.