Kronach — Nie zuvor in Deutschland und Europa Gehörtes präsentierte das zweite Konzert des 10. Internationalen Orgelzyklus in Kronach. Naji Hakim und seine Ehefrau Marie-Bernadette Dufourcet-Hakim waren aus Paris unter anderem mit einer Europa-Premiere angereist. Die Besucher erlebten ein in jeder Hinsicht glanzvolles Konzert in der sehr gut besuchten Christuskirche.

Begleitet vom Reussischen Kammerorchester erklang unter Leitung von Dekanatskantor Marius Popp ein musikalisches Ereignis voller Opulenz, wie man es eher in Großstädten vermuten würde. Der weltweit hochgeschätzte Komponist und Organist Naji Hakim höchstpersönlich ließ - als deutsche und europäische Erstaufführung - sein Konzert Nr. 5 erklingen, während sich seine Ehefrau des berühmten Orgelkonzerts in g-Moll von Francis Poulenc (1899 - 1963) annahm.

Dufourcet-Hakim lieferte als großartige Solistin an der Orgel eine hinreißende Interpretation des Konzerts in sieben ineinander übergehenden Sätzen. Im bestens abgestimmten Zusammenspiel mit dem Orchester und unter fein-nuanciertem Dirigat von Dekanatskantor Marius Popp gestaltete sie das Stück zu einem reizvollen Gang durch die emotionale Welt des Komponisten. Durch Virtuosität und großes Gestaltungsvermögen gelang es ihr, die Kontraste der melodisch reichen Komposition überzeugend miteinander zu verbinden.

Mit dem 1955 in Beirut geborenen Naji Hakim präsentierte sich in Kronach ein vielfach preisgekrönter Künstler. Dem treuen Kronacher Stammpublikum ist der "Klangzauberer" von der Welturaufführung "Die12 Apostel - Meditationen über Einblattholzschnitte von Lucas Cranach d. Ä." als Auftragskomposition zum 150-jährigen Jubiläum der Christuskirche bekannt. Von 1985 bis 1993 war er erster Organist der Basilique du Sacre-Coeur, Paris und bis 2008 Organist der L'Eglise de la Trinité in der Nachfolge von Olivier Messiaen. Dieser herausragende Künstler war am Sonntag ein weiteres Mal zu Gast im kleinen Kronach.

Fast schien dies der Dekanatskantor in seiner Einführung selbst nicht glauben zu können. Gleiches gilt auch für den Fortbestand des nunmehr bereits 10. Internationalen Orgelzyklus. Großer Dank für die Finanzierung dieser Konzerte gebühre, so Popp, auch Dekanin Dorothea Richter, was ohne deren große Affinität für Kirchenmusik nicht möglich wäre. Ein großes Anliegen war ihm von Anfang an, dass die teilnehmenden Solisten Werke aus ihren Heimatländern interpretieren. Nach dem Aufbau eines weiteren Manuals sei die Steinmeyer-Orgel nun geradezu prädestiniert für den besonderen französischen Klang.

Sehr freute er sich über die Deutschland- und Europapremiere von Hakims 5. Konzert für Orgel, Streicher und Pauken, das bislang erst einmal im November vergangenen Jahres in Beirut zur Aufführung gelangte. "Wir hören heute Musik, die in dieser Kirche noch nie zu hören war", zeigte sich Marius Popp stolz.

Vor der Europa-Premiere begeisterte Hakim mit einer volltönend-fulminanten Improvisation. Unter seinen Händen konnte sich die elementare Klangmacht des schönen romantischen Instruments vollends entfalten - vom fließend leichten und perlenden Spiel bis hin zu gewaltigen Akkorden, was zuweilen Zeit und Raum in der Christuskirche vergessen ließ.

Noch völlig gefesselt von diesem musikalischen Erlebnis, ging es für das Publikum zur deutschen und europäischen Erstaufführung des in drei Sätzen klassisch aufgebauten Konzerts über. Seine Eigenkomposition - versehen mit einer Francis Poulenc huldigenden Instrumentierung - verlangte vom Organisten ebenso ein Höchstmaß an Virtuosität wie auch vom ausgezeichneten Kammerorchester. Wunderbar auch das Zusammenspiel mit dem exzellenten Paukisten an den fünf großen Konzertpauken.

Es ist Musik, die aus tiefem Herzen kommt und zum Herzen des Zuhörers spricht. Hierfür gab es minutenlangen Standing Ovations des Publikums und eine innig-ergreifende Zugabe.