Die Mitglieder des Himmelkroner Gemeinderats waren in ihrer Sitzung am Dienstagabend wahrlich nicht zu beneiden. Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) hatte nicht weniger als 21 Punkte auf eine Tagesordnung gesetzt, die alle Facetten der Kommunalpolitik abdeckte und große Herausforderungen an das Gremium und die Verwaltung stellte. So nahm allein die öffentliche Sitzung nahezu vier Stunden in Anspruch.

Trotzdem waren die Räte auch gegen 23 Uhr noch gut gelaunt, vielleicht auch deshalb, weil Schneider im Verlauf der Sitzung mit einer sehr erfreulichen Nachricht aufwarten konnte: "Wir haben ein positives Signal bekommen, dass im Baugebiet ,Weißmaintal' unterhalb der Frankenfarm eine Seniorenwohnanlage errichtet wird."

Seniorenwohnanlage kommt

Die Gemeinde Himmelkron habe schon seit Jahren für eine solche Einrichtung gekämpft, so der Bürgermeister. Er dankte vor allem den beiden Seniorenbeauftragten Peter Aßmann (SPD) und Hans Matussek (CSU-FWG), die viel Zeit und Kraft aufgewendet hätten. "Ich möchte allen danken, die hier mitgeholfen haben. Wir können heute einfach glücklich sein und das Projekt mit der Änderung des Bebauungsplans auf den Weg bringen", sagte Schneider, der von einer erfreulichen Entwicklung gerade für die ältere Generation sprach.

Das gemeindliche Grundstück mit einer Größe von 6100 Quadratmetern wird jetzt vom Mischgebiet in eine Sonderfläche für den Bau einer Seniorenwohnanlage umgewandelt. Dazu fasste der Gemeinderat einen einstimmigen Beschluss.

Einen breiten Raum nahm die Abwägung und Beurteilung der eingereichten Einwendungsschreiben zur Aufstellung des Bebauungsplanes "Maintalstraße II" im beschleunigten Verfahren in Anspruch. Bis auf die Stellungnahme der evangelischen Kirchengemeinde Himmelkron kam es zu keiner Diskussion im Gremium. Für die BZH-Fraktion stellte Frank Günther fest, dass der Bürgermeister in der Sitzung am 4. August vergangenen Jahres den Eindruck erweckt habe, die Kirchengemeinde hätte nichts gegen den Verkauf des Erweiterungsgrundstücks für den Friedhof in der Maintalstraße. "Heute, ganze neun Monate nach der erfolgten Beschlussfassung für einen Verkauf, geht uns nun das Schreiben der Kirchengemeinde in schriftlicher Form nachträglich zu. Es offenbart, dass die Gemeinderäte über den tatsächlichen Sachverhalt hinweggetäuscht wurden."

Kompromiss am Friedhof

In dem Brief vom 26. März ließ die Kirchengemeinde zwar wissen, dass es begrüßt werde, wenn die Kommune dazu beitrage, eine Wohnbebauung zu ermöglichen, doch stehe man einer Bebauung der fraglichen Fläche nach wie vor kritisch gegenüber. Gerhard Schneider betonte, dass im Gemeinderat bislang alles sachgerecht abgewogen und im Gespräch mit Pfarrer Michael Krug ein Kompromiss gefunden worden sei. "Derzeit hat die Kirchengemeinde keinen Handlungsbedarf und keiner weiß, wie es in 20 oder 30 Jahren ausschaut. Sollte aber ein Bedarf für eine Erweiterung bestehen, dann wäre die auch auf dem angrenzenden Grundstück der Kirchengemeinde möglich. Das ist auch ein vernünftiger Kompromiss."

Damit waren dann auch Pfarrer Krug, der der Sitzung beiwohnte, und der Gemeinderat einverstanden. Der Satzungsbeschluss für die Aufstellung des Bebauungsplanes "Maintalstraße II" wurde danach einstimmig gefasst. Ebenso die dafür notwendige Berichtigung des Flächennutzungsplans der Gemeinde.

Weitere, erhebliche Mehrkosten entstehen beim Bau der Kindertagesstätte "Mäuseparadies". Wie Heidrun Zwilling von der Plafog Planungsgesellschaft in Kulmbach aufzeigte, weist der Baugrund bei den Außenanlagen einen deutlich höheren Grundwasserspiegel auf als im Bodengutachten festgestellt. Die Landschaftsplanerin schlug hier den Einbau eines Sammlers in einer Tiefe von 90 Zentimetern vor, der parallel zum Hauptgebäude angelegt werden soll. Daneben sind der Bau eines Sickerschachtes und weitere Drainagen notwendig. Heidrun Zwilling bezifferte die Mehrkosten auf rund 88 000 Euro.

Davon zeigte sich Bürgermeister Gerhard Schneider schockiert, zumal bereits beim Baugrund für das Kita-Gebäude erhebliche Mehrkosten entstehen. "Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen und ein paar Kompromisse machen. Es muss finanziell passen." Harald Peetz (CSU) vertrat die Meinung, dass sich der Bodengutachter nicht mit Ruhm bekleckert habe: "Mit den Mehrkosten kann ich mich nicht anfreunden." Das Gremium hielt weiteren Abstimmungsbedarf vor Ort für notwendig.