"Wir nähern uns Schritt für Schritt der Gleichstellung und das erarbeitete Gleichstellungskonzept für das Landratsamt Kulmbach wird nicht bloß abgehakt." Dieses Fazit zog Landrat Klaus Peter Söllner (FW) in der Sitzung des Kreisausschusses, in der es am Montagnachmittag unter anderem um das 6. Gleichstellungskonzept ging, das der zuständige Sachbearbeiter André Arnold vorstellte.

Die Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt, Heike Söllner, ging auf konkrete Handlungsziele und Maßnahmen dieses Konzeptes ein, das in die Personalentscheidungen am Landratsamt mit einfließen soll. Das 1996 in Kraft getretene bayerische Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männer enthält die Verpflichtung für alle öffentlichen Dienststellen in Bayern alle fünf Jahre ein Gleichstellungskonzept zu erstellen. Dazu legte André Arnold ein auf 24 Seiten erarbeitetes Konzept vor, das annähernd ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern am Landratsamt Kulmbach darstellt. Arnold sah darin einen positiven Trend.

Für die Gleichstellungsbeauftragte Heike Söllner nimmt der öffentliche Dienst eine wichtige Vorbildrolle für die gesamte Arbeitswelt ein, denn die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und die Überwindung tradierter Geschlechterrollen seien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gemeinsam gelingen könne: "Sie ist keineswegs ein Selbstläufer und der Anteil der am Landratsamt beschäftigten Frauen ist in den letzten 25 Jahren merklich angestiegen. Betrug der Frauenanteil 1996 noch 43 Prozent, waren es 2005 schon 48 Prozent, 2010 hatten wir einen Höchststand mit 55 Prozent und zum Stichtag 30. Juni 2020 waren 52 Prozent aller beschäftigten Personen am Landratsamt Frauen."

Als sehr erfreulich bezeichnete es Heike Söllner, dass der Anteil der Frauen bei den Führungspositionen am Landratsamt in diesem Berichtszeitraum von zuletzt 29 Prozent auf ein Drittel gesteigert werden konnte." 2005 waren es noch 23 Prozent.

Die Gleichstellungsbeauftragte sprach sich dafür aus, den zuletzt wieder positiven Trend zu verstetigen, insbesondere durch gezielte Förderung und Motivation weiblicher Nachwuchskräfte. Allerdings hätten von den 18 Frauen in Führungspositionen nur die Hälfte eine Abteilungs-/Sachgebiets- oder Fachbereichsleitungsfunktion inne, die anderen neun Frauen sind mit Stellvertretungs- oder Beurteilungsfunktionen betraut. Söllner: "Hier sind wir als Haus insgesamt gefordert, Potenziale frühzeitig zu erkennen, zu motivieren, Anreize zu schaffen und gezielt zu fördern." Für eine wichtige Stellschraube auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter hielt Heike Söllner das Führen in Teilzeit weiter auszubauen, denn bereits 30 Prozent des Gesamtpersonals arbeiten in Teilzeit und gerade hier eben überdurchschnittlich viele Frauen. Heike Söllner beziffert diesen Anteil mit 87 Prozent. Interessant dabei ein Blick auf das Verhältnis Vollzeit zu Teilzeit bei den Führungspositionen insgesamt: 83 Prozent führen in Vollzeit und nur 16 Prozent ín Teilzeit. Teilzeit dürfe laut der Gleichstellungsbeauftragten kein Hinderungsgrund sein, eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Auch sei unschwer erkennbar, dass Kindererziehung und Führungsposition für Frauen immer noch deutlich schwerer zu vereinbaren sind als für Männer.

Die Handlungsziele und Maßnahmen mit der Teilzeitbeschäftigung wurden unverändert fortgeschrieben und Mobbing und sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz erstmals aufgeführt. Neu sind auch eine sprachliche Gleichbehandlung sowie eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Gremien und Arbeitsgruppen.