Demenz ist keine Erkrankung, sondern ein Syndrom, sagte Professor Patrick Oschmann, Chefarzt der Neurologie an der Hohen Warte in Bayreuth, bei seinem Vortrag in Kronach. Eingeladen dazu hatte der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes unter der Organisation von Kreisschatzmeister Herbert Gögelein. Rund 100 Zuhörer folgten der Einladung in den Pavillon der Sparkasse.

Die Hohe Warte in Bayreuth befasst sich vor allem mit Schlaganfällen (Stroke Unit), Schädel-/Hirnverletzten auch nach Tumoren, MS-Patienten, Polyneuropathie (Erkrankung der Nervenbahnen) und unter anderem mit der Myestenia gravis, einer sehr seltenen Autoimmunerkrankung. Die Demenz ist ein weiterer großer Schwerpunkt der Arbeit von Professor Oschmann.

"Viele Menschen denken bei Demenz immer an Alzheimer", sagte er. Dies ist bei neurodegenerativen Erkrankungen in erster Linie meist so, es kann aber auch eine andere Form der Demenz sein. Deshalb ist es wichtig, so frühzeitig wie möglich eine ordentliche Diagnose zu stellen. Dazu bedient man sich im ersten Schritt einer MRT (Kernspin) sowie einer Nervenwasseruntersuchung. Dank des medizinischen Fortschritts konnte der lange anhaltende Anstieg der Demenz zumindest in den letzten Jahren verringert werden. Mit verschiedenen Testverfahren kann der Neuropsychologe das Langzeit-, Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis überprüfen.

Bei der Demenz vom Alzheimer-Typ steht immer ein schleichender Beginn im Vordergrund, am Anfang ist auch nur das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Die Front-temporale Demenz wird durch Verhaltensänderungen und Merkwürdigkeiten deutlich. Beim Lewy-Körperchen-Typ, der meist langsam beginnt, kann die Orientierungsstörung ein Anzeichen sein.

Hoffnungsträger seien Antikörper, welche für Linderung sorgen können. Ein bereits beschädigtes Hirn sei allerdings nicht reparabel, so der Professor. Die Therapie sollte deshalb nach den ersten Anzeichen beginnen. Durch entsprechendes Training könne das "Zeitfenster" nach hinten geschoben werden. In entsprechenden Tageskliniken kann in teilstationärer Behandlung das Körperliche und Geistige entsprechend geübt werden.

In der Fragerunde konnten zahlreiche Anfragen von Betroffenen oder deren Angehörigen beantwortet werden.

In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300 000 Neuerkrankungen auf. Rund 60 bis 70 Prozent der Bewohner der beiden BRK Seniorenhäuser in Kronach und Ludwigsstadt leiten an Demenz. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Demenzen verlaufen zumeist irreversibel und dauern bis zum Tode an. Sie verkürzen die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung, die Krankheitsdauer lässt sich im Einzelfall nicht zuverlässig vorhersagen.