Sie hat Bestseller geschrieben wie "Schön mit Darm", "Schlau mit Darm" oder auch "Schlank mit Darm". Im Gespräch mit dem Tageblatt erzählt die an der Coburger Hochschule tätige Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann, warum sie nichts von klassischen Diäten hält und was sie stattdessen empfehlen kann, um seinem Körper etwas Gutes zu tun - gerade jetzt nach den oft kalorienreichen Weihnachtsfeiertagen.

Welche Diät würden Sie empfehlen, um die Weihnachtskilos wieder loszuwerden?

Michaela Axt-Gadermann: Wenn ich langfristig abnehmen oder mein Gewicht halten möchte, würde ich nicht auf Diäten setzen. Diese versprechen meistens nur kurzfristige Erfolge. Besser sind langfristige Ernährungsumstellungen. Ganz wichtig: Die neue gesündere Ernährung muss schmecken und genussvoll sein. Nur dann bin ich in der Lage, sie langfristig beizubehalten. Ein paar Prinzipien sollte man berücksichtigen: 1. Man sollte versuchen, nur dreimal am Tag zu essen und auf Snacks zwischen den Mahlzeiten zu verzichten. So hat der Blutzucker ausreichend Zeit, wieder abzusinken. Nur dann ist der Körper bereit, Fett aus den Fettzellen freizusetzen. - 2.: Das Abendessen sollte so früh wie möglich eingenommen werden. Dadurch verlängert sich die nächtliche Nüchternphase, was ebenfalls dem Fettabbau zu Gute kommt. Und 3.: Der Effekt kann noch verstärkt werden, wenn das Abendessen eher eiweißreich ist und nur wenige Kohlenhydrate enthält. Also Brot, Reis und Nudeln besser weglassen und lieber Fisch, Hühnchen, Tofu oder Eier mit Gemüse oder Salat essen.

Sie beschäftigen sich in Ihren Büchern unter anderem mit der Rolle der Darmgesundheit. Wieso ist der Darm so ein wichtiges Organ, wenn es um unsere Gesundheit geht?

Unser Darm kann mehr, als nur Nahrung verdauen. In den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass der Darm und vor allem die darin lebenden Bakterien, die in Ihrer Gesamtheit als Darmflora beziehungsweise Mikrobiom bezeichnet werden, eine Schlüsselrolle für unsere Gesundheit haben. Das gilt auch für Gewicht, Bluthochdruck, Diabetes und andere Krankheiten. Man weiß, dass bei mindestens jedem Dritten eine Störung der Darmflora für die Entstehung von Gewichtsproblemen verantwortlich ist. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen. Die häufige oder längerfristige Einnahme von Antibiotika, aber auch unsere typisch westliche Ernährung mit viel Fett, vielen Kohlenhydraten und wenigen Ballaststoffen aus Gemüse, Getreide oder Hülsenfrüchten lassen die Darmflora verarmen und in Richtung "dick" tendieren.

Worauf können wir im neuen Jahr achten, um den Darm gesund zu halten? Wie können wir ihn nach den Feiertagen wieder entlasten?

Um die Darmbakterien bei Laune zu halten, muss man ihnen das richtig "Bakterienfutter" servieren. Eine gesunde Darmflora benötigt für ihre Entwicklung vor allem "präbiotische Ballaststoffe". Darunter versteht man Pflanzenbestandteile, die erst im Dickdarm verstoffwechselt werden. Die Stoffwechselprodukte wiederum wirken entzündungshemmend, blutdrucksenkend, können den Appetit regulieren oder auch die Stimmung aufhellen. Wir profitieren also auf vielfältige Weise, wenn wir unsere Darmbakterien gut versorgen. Präbiotische Ballaststoffe sind unter anderem enthalten in Haferflocken, unreifen Bananen, Linsen, Bohnen, Erbsen, Knoblauch, Zwiebeln, Porree. Auch Kaffee, grüner Tee, dunkle Schokolade und ab und zu ein Gläschen Rotwein fördern ein schlankes Mikrobiom. Das Gespräch führte

Marieke Fiala.