Die Wolfsrisse bei Betzenstein beschäftigen die Landwirte in Oberfranken derzeit wie kaum ein anderes Thema. Kaum ein Redner, der sich bei einer von MdL Gudrun Brendel-Fischer (CSU) initiierten Online-Konferenz mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nicht zum Wolf äußerte.

Eines wurde dabei klar: Es muss dringend eine Lösung her. Andreas Weidinger, Landwirt aus Weidensees, hat beispielsweise Angst um seinen Milchviehbetrieb. Eine wolfssichere Einzäunung würde ihm rund 100 000 Euro kosten. "Wenn die Gesellschaft den Wolf will, müssen wir das irgendwie schultern können", sagte er.

Dabei ist es längst nicht erwiesen, ob die Einzäunung etwas nützt. Ein 30 Zentimeter tiefer Untergrabungsschutz interessiert den Wolf nicht. "Da gräbt er sich locker durch", sagte Christian Leißner aus Riegelstein. In seinem Damwildgehege sind vor wenigen Wochen sieben Tiere, im benachbarten Illafeld sogar 18 Tiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch die geforderte Höhe von zwei Metern für einen Schutzzaun zweifelte Leißner an, weil der Wolf da drüber springen könnte. "Bei uns läuft der Wolf mittlerweile kreuz und quer durch die Gegend, sogar tagsüber", so der betroffene Landwirt.

"Auf der einen Seite will man die Weidetierhaltung, auf der anderen Seite will man den Wolf", übte Ministerin Kaniber Kritik an der doppeldeutigen Haltung in weiten Teilen der Gesellschaft. Sie plädierte unter anderem für ein europaweites Wolfsmonitoring. Darüber hinaus müsse der Schutzstatus abgesenkt werden, um weitere "Entnahmen" herbeizuführen.

Reizwort Tierwohl

Ein Reizwort für viele Bauern ist, das wurde bei der Konferenz deutlich, der Begriff Tierwohl. "Wir haben beste Betriebe, die alle wahnsinnig viel Geld investiert haben", sagte Hans Engelbrecht. Mit überzogenen Forderungen habe man bereits die Hühnerhaltung aus Deutschland heraus in andere Länder vertrieben, bei den Schweinen sei man gerade dabei und mit dem Verbot der Anbindehaltung drohe dieses Schicksal auch der Milchviehhaltung. "Da haben viele die Schnauze voll und hören auf", so Engelbrecht.

Damit das nicht passiert, benötigten die Bauern Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre, so Jens Pöhlmann, 24 Jahre jung und frischgebackener Landwirtschaftsmeister. Er investiere gerade eine beträchtliche Summe in einen neuen Milchviehstall, und da sei es Voraussetzung, dass die derzeitigen Auflagen Bestand haben.

"Wir wollen so viele bäuerliche Betriebe wie möglich in die Zukunft führen", sagte Kaniber und versprach, für gute Rahmenbedingungen zu kämpfen. Sie gab aber auch zu bedenken, dass letztlich der Verbraucher an der Ladentheke die Entscheidung treffe. Heftige Kritik gab es an der weiter fortschreitenden Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels. Er könne die Entscheidung des Bundeskartellamtes nicht nachvollziehen, nach der Edeka nun auch einen Teil der Real-Märkte übernehmen darf, so Markus Täuber aus Hollfeld. shf