JOsef Hofbauer

Wie von Geisterhand erscheinen die Graffiti-Kunstwerke an den kahlen Wänden der Ramstertalbrücke in Ebermannstadt. Das ist freilich nur das Video, das Projektleiter Manuel Dietsch hat aufzeichnen lassen. Jede Minute schoß die Kamera drei Tage lang ein Bild. So scheint die Kunst-Aktion, an der sich zehn Grafiker aus Nürnberg und Umgebung beteiligt haben, wie eine Kinderspiel.
Doch dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan. Zwar sind die Künstler in der Themenwahl und Ausarbeitung ihrer Werke frei, doch der gemeinsame Farbklang, die Beschränkung auf eine bestimmte Bandbreite an Farben sorgt dafür, dass die einzelnen Graffiti zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen.
Gefeiert wurde dies am Sonntag mit dem ersten "Kreativmob-Kunstfestival", das kulturelle Unterhaltung mit Wertsteigerung verbindet. Die wunderschöne geschwungene Form der Brücke kommt jetzt erst so richtig zur Geltung, findet Manuel Dietsch, der die Idee zu dem Event hatte.


Ein wenig wie Urlaub

Und die Künstler hatten jede Menge Spaß. Kid Crow. mit bürgerlichem Namen Carlos Lorente hat den Namenszug "Pure" an einem einzigen Tag gesprüht. Und weil die Krähe sein Pseudonym ist, hat er dem Gemälde noch eine Krähe hinzugefügt. Für Bastian Lohmaier, dessen "Markenzeichen", die Krake, fast in jedem seiner Werke vorkommt, ist die Teilnahme an dem Gemeinschaftsprojekt eine Art Luxus. Es macht einfach Spaß, findet Bastian, dessen comicartige Figuren Züge von Karikaturen tragen .
"Ich beschränke mich auf das Wesentliche", betont der Designer. Während die Tiere allesamt frohe Laune verströmen, schaut der Jäger grantig. "Das ist halt ein Franke", lacht Bastian und sprüht munter weiter.
Die Tautropfen auf den Blättern, mit denen Heiner Kries die runden Brückenpoller verziert, scheinen zum Greifen nah. Gleiches gilt für die Pilze, Grashalme, die Schnecke oder den Laubfrosch gegenüber. "Ich könnte mich tagelang mit diesem Werk beschäftigen", findet er. Und er gesteht: "Es war wie Urlaub. Ich habe einfach gesprüht. Genial."
Obwohl die Akteure immer wieder den Sprühaufsatz wechseln, um Linien zu verstärken, Flächen zu füllen oder Akzente zu setzen, scheint es das Wort Perfektion bei den Künstlern nicht zu geben.
"Wir haben das Motto Natur", erklärt Heiner Kies und fragt: "Was ist da schon perfekt?" Außerdem: "Die Spraydose verzeiht viel", findet der 3D-Realist, der Urlaubsgefühle bei seiner Arbeit bekommen hat. Während die meisten Künstler mit Sprühdosen gemalt haben, griff der mittlerweile in Leipzig lebende Bamberger Sebastian Magnus zu schwarzer Tusche. Dennoch schimmert seine gut zwei Meter lange Forelle, je nach Lichteinfall, in nahezu allen Farben. Und: Sie schwimmt gegen die Strömung. Ob er damit eine Botschaft verbunden hat?